Wilhelm Franz August Gerbrecht – Versuch einer Annäherung

Ein Gastbeitrag von Peter Gerbrecht

Erstmals verzeichnet das Adreß- und Geschäfts-Handbuch für Stettin den Familiennamen Gerbrecht in seiner Ausgabe von 1879 (S.48):

Der Eintrag nennt genau jenen „Pantoffelmacher“ Carl Gerbrecht mit Wohnsitz in der Apfel-Allee 1c, der später in der Heiratsurkunde von Wilhelm Franz August Ger­brecht als dessen Vater und mit der Berufsbezeichnung „Tischler“ angegeben ist. Am 18. Juli 1891, dem Tage der Eheschließung seines Sohnes, war Carl Fried­rich Ferdinand Gerbrecht allerdings auch schon seit acht Jahren Witwer. Die verstorbene Ehefrau und Mutter Ida Marie Friederike, Tochter des Holzpantoffel­machers Johann Brandt, war bereits am 16. Juni 1883 im Alter von nur 45 Jahren zu Tode gekommen.

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Zeitzeugen dringend gesucht!

Der Pommersche Greif erhielt folgende Anfrage, die wir mit Genehmigung hier im Original abdrucken:

Für seine Publikation Das Ende des Zweiten Weltkrieges in der Region von der Oder bis zur Linie Anklam-Strasburg-Prenzlau im Frühjahr 1945, die im Monat März 2020 anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges in unserer Region herausgegeben werden soll (etwa 300 Seiten), sucht der Autor Joachim Hartfiel noch immer Zeitzeugen aus den ehemaligen Ostgebieten der Kreise Ueckermünde und Randow, die im Monat April 1945 durch das Vordringen der Roten Armee aus ihrer Heimat fliehen mussten. Es ist das Gebiet von der Oder bis zur heutigen Staatsgrenze der BRD zu Polen in der Ost-West-Ausdehnung und vom Stettiner Haff bis nördlich Mescherin an der West-Oder in der Nord-Süd-Ausdehnung. Es interessieren auch die Ereignisse in den Monaten Mai und Juni 1945 in diesen Territorien. Der Verfasser ist bereits 89 Jahre alt und es ist sein Bestreben, für unsere Nachwelt eine möglichst vollständige Darstellung der damaligen Ereignisse in unserer Region zu erarbeiten und zu hinterlassen. Er möchte Erinnerungsberichte in die geplante Publikation einfügen.

Er wendet sich auch an jene Personen, die keine Zeitzeugen der damaligen Ereignisse sind, aber zur Vervollständigung der Publikation in irgendeiner Weise betragen könnten. Es gibt für ihn in den hiesigen Archiven, einschließlich Landeshauptarchiv Schwerin und Landesarchiv Greifswald, keine Aktenbestände oder Quellen zu den damaligen Ereignissen in den o. g. Territorien. Zeitzeugenberichte könnten die historische Situation aufhellen.

Kontakt:
Joachim Hartfiel, 17358 Torgelow, Straße der Solidarität 22 b
Tel.: (03976) 20 37 11 (mit Anrufbeantworter)
Mail: hart85fiel@newdataline.com

Eine Ergänzung zu einem Ortsfamilienbuch zahlt sich aus

Ein Gastbeitrag von Jürgen Diem

Habe ich zu spät mit Fragen angefangen?

Kurz vor der Wende ist mein Vater gestorben. Er hatte sich immer viele Gedanken um die Zukunft unseres Landes gemacht. Mit der Wende schienen die großen Sorgen um den Frieden in Europa, ja in der Welt, endlich verschwunden zu sein. Schade, dass er nicht mit diesem guten Gefühl die Erde verlassen konnte. Mir wurde plötzlich bewusst, was ich von ihm noch alles über die Geschichte der Familie wissen wollte.

So befragte ich zunächst meine Mutter. Besonders interessierte mich der Zweig aus Tribsow, Kreis Cammin. Als Kind hatte ich oft mitgehört, wenn meine Großmutter und ihre Cousine über den Ort ihrer Kindheit alte Geschichten hervorkramten. Sie erzählten von „Bernhard den Geheimnisvollen“, einem Räuber, der sogar den Dorfpolizisten ermordet hatte. Von den Lausbubenstreichen meines Urgroßvaters war mir noch in Erinnerung, dass er und ein Freund mit nächtlichem Spuk Tribsow in Aufregung versetzt hatten. Sogar die Camminer Zeitung darüber soll berichtet haben.

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Sprichst du “php” oder sitzt fest auf der “mysql”-Bank?

Foto: Pexels auf pixabay.com, bearbeitet

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Eine Filmidee mit Folgen – Die Familie Marquardt in Stettin, Teil 3

Fortsetzung von Teil I und Teil II

Ein Gastbeitrag von Wolfram Stratmann

 

Ende der etwa siebenundzwanzigjährigen Episode dieser Marquardts in Stettin. 

Die Heiratsurkunde von Karl Marquardt und Ida Balk enthält den Randeintrag des Standesamtes Stettin-Altdamm vom 12.11.1943:

„Ehegatte zu I ist am 5. November 1943 in Stettin-Frauendorf verstorben. Standesamt IV Stettin-Züllchow Nr. 765/1943.“ 

Karl wurde nur 51 Jahre alt. Damit verliert sich die Spur von unserem Großvater Karl Marquardt. Seine Todesumstände sind ungeklärt. Das zeigen die Rechercheergebnisse und die Nachkriegs-Erzählungen von Gisela. Im Abgleich mit den Bombenangriffen auf Stettin fiel sein Tod nicht in eine Bombennacht. Es ist nicht klar wo er begraben wurde. Das kann mehrere Gründe haben. In der Zeit gab es durch die Bombardierung in Stettin so viele Tote, dass sie im Umland in Massengräbern beerdigt werden mussten. Diese Gräber wurden später eingeebnet und teilweise bebaut, oder als Ackerland genutzt. Mir sind einige solcher Begräbnisstätten bekannt.

Der Friedhof in Frauendorf wurde nach Kriegsende von der polnischen Bevölkerung für Bestattungen genutzt. Wenn Karls Grab sich hier befand, so existiert es heute nicht mehr. Auf dem Friedhof in Züllchow wurden die deutschen Grabsteine von polnischen Bürgern wieder aufgerichtet, der Friedhof in ein Lapidarium verwandelt. Ein Grabstein für Karl Marquardt ist dort bisher nicht gefunden worden.

Die magere, von Gisela über ihren Vater erzählte Geschichte, wirft Fragen auf:

Ihr Vater sei im zweiten Weltkrieg Soldat geworden, wurde an der Front aber lungenkrank, dann zurückgeschickt und kam in ein Krankenhaus.

Das erzeugte Fragen der Enkel von Karl:

Auf die Frage, wie alt war dein Vater, antwortete Gisela, das weiß ich nicht.
Auf die Frage, wo habt ihr damals gewohnt, antwortete sie, das weiß ich nicht.
Auf die Frage, wo war denn das Krankenhaus, antwortete sie, das weiß ich nicht, man konnte ihn nicht besuchen.
Auf die Frage, wann ist dein Vater gestorben, antwortete sie, das weiß ich nicht.
Auf die Frage, wo ist er begraben, antwortet sie, das weiß ich nicht.

Mir kam das dubios vor, weil sie nicht einmal Stettin nannte. Außerdem müsste eine damals Achtzehnjährige eigentlich wissen, wo sie wohnte, mit wem sie zusammenlebte und wie alt diese Leute waren. Auch der Tod ihres Vaters hätte ihr auffallen können.

Vermutlich hatte Gisela schon während des Erzählens bereut, zum Tod ihres Vaters etwas gesagt zu haben. Der Grund für ihre Geheimhaltung kam in meiner Gegenwart nie zur Sprache. (Gisela hielt das konsequent durch, mir war bis in das Jahr 2014 nur der vermutete Nachname unseres Großvaters bekannt. Ahnenforscherisch verwertbare Urkundendaten erhielt ich erst im Jahr 2016.)

Andererseits kann es in den Kriegszeiten sehr viel Verwirrung gegeben haben. Meine Nebenrecherche brachte zwei Lungenkliniken zum Vorschein, eine als Ortsteil von Augustwalde, das selbst zwischenzeitlich auch ein Ortsteil von Stettin wurde, und eine Klinik nördlich von Stettin-Grabow in Stettin-Frauendorf. Näheres zu unserem Großvater konnte ich bei dieser Recherche nicht finden. Auch möglich ist, dass Karl in einem Lazarett war oder in einer unbekannten Klinik an einem unbekannten Tag umkam. Erwiesenermaßen trickste die Nazi-Verwaltung diesbezüglich. So konnte man Gelder aus dem Gesundheitssystem abziehen und teilweise von den Verwandten kassieren. Das kam Millionenfach vor. (vgl. einschl. Dissertationen in der BRD) Nur Wissenschaftler im Rahmen anerkannter Forschungsprojekte kommen an solche Daten.

Der einzige Beleg aus dem realen Stettiner Leben der drei Marquardt-Frauen ist ein Steuerbescheid vom Dezember 1944 an die Einzelhandelskauffrau Ida Marquardt, also unserer Oma. Er scheint für die Jahre 1942 und ’43 zu sein und ist an Poststraße 12, Stettin-Grabow adressiert. Auf Reichtum lässt der Steuerbescheid nicht unbedingt schließen. Die Adresse wurde handschriftlich geändert in Ulrich-Massow-Straße 32, Stettin-Altdamm. Der Bescheid ist angekommen. Auch hier brachte die Recherche wenig Bestätigung.

Ein Fragment von Giselas zusammenhanglosen und immer wieder dementierten Erzählungen weist auf die Ereignisse hin:

Wir waren ausgebombt und sollten aufs Land ziehen. Aber das Haus dort war von der einzigen Bombe, die da fiel zerstört worden. Dann mussten wir woanders hin.

In dem Zusammenhang erzählte sie ein anderes Mal:

Wir waren dann bei einem alten Onkel untergebracht. Der aß mit uns drei auch Abendbrot. Wenn es Tomaten gab, dann beschwerte er sich immer, „ihr esst Lachs und ich kriege keinen.“  

Die Frauen waren geteilter Meinung über diese Form des Humors. Gisela glaubte der alte Mann sei verrückt.

Die weitere Recherche zeigte, die Poststraße in Stettin-Grabow wurde bei einem Bombenangriff zerstört. Heute ist dort eine Art Allee mit breitem Grünstreifen in der Mitte, (Stanislawa Dubois) mit anderer Bebauung.

Tatsächlich war das Haus Massower Straße 32, Stettin-Altdamm ein Trümmergrundstück. Man konnte es bis vor einigen Jahren bei Google Earth als solches erkennen. Dort wohnte ein Bruder unserer Oma Ida. Er starb bei dem Bombentreffer. Es soll in der Familie Balk Beweise dafür geben. Leider brach mein Kontakt zu dem berichtenden Groß-Cousin ab.

Die Adressbücher von Stettin bieten Unstimmigkeiten. Im Jg. 86 werden beide Straßennamen genannt und in Altdamm verortet. Im Jg. 87, für 1943, wird keine Massower Straße mehr genannt. Die bisher dort aufgeführten Einwohner wurden mit den gleichen Hausnummern wie vorher, nun in der Ulrich-Massow-Straße in Altdamm gelistet.

Ein kleiner Haken fand sich im Stadtplan M 1:10000 von Stettin, dort sind die Massower Straße in Stettin-Altdamm (heute: Ul. Puka) und die Ulrich-Massow-Straße in Stettin-Scheune (heute: zyndrama z Maszkowic) gleichzeitig abgebildet. Die Äcker zwischen dem Stettiner Hauptfriedhof und dem kleinen Dorfkern von Scheune wurden in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre bebaut. Die zur Zeit meiner Recherche im Internet auffindbaren Bilder dieser Neubaugegend zeigen keine Grundstücksbegrünung. Zumindest mein Stadtplan von 1937 zeigt in der Ulrich-Massow-Straße in Stettin-Scheune noch kein Haus auf dem Grundstück, welches die Nr. 32 hätte haben können. Damals gab es dort Doppelhäuser. Zu irgendwelchen Vorkriegs-Straßenumbenennungen konnte ich bei der Recherche nichts finden. Deshalb gilt zunächst, es gab beide Straßen in Stettin.

Hier verliert sich unsere Familiengeschichte der Marquardts in Stettin. Nach den konservativen Regeln der Ahnenforschung wäre damit dieser Namens-Zweig der Marquardts erloschen.

Unsere Mütter berichteten zu allem vermutlich nichts Zusammenhängendes, sondern nur bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Details. In der Psychologie und in der Kriminologie wird bei so einem Verhalten vermutet, es handelt sich um eine systematische Vertuschungsabsicht und oder eine traumatische Reaktion auf Erlebnisse. Wir Nachkommen bleiben damit relativ ratlos zurück.

Etwas Stadtgeschichte als Rechercheansatz zur Flucht der Marquardt-Frauen.

Stettin-Altdamm wurde spätestens im März 1945 von den Zivilisten geräumt. Wenn die drei Marquardt-Frauen in Altdamm waren, dann dürften sie spätestens in diesem Monat über die Oder Richtung Westen gegangen sein. Ob sie dabei gleich bis in die Gegend von Bremen kamen ist unklar.

Wenn sie bereits westlich der Oder in Stettin-Scheune waren, dann gerieten sie etwas später in Schwierigkeiten. Dieser Vorort von Stettin musste vermutlich im April 1945 geräumt werden, weil Stettin zur Festung erklärt wurde. Die Situation verschlechterte sich danach aus einem organisatorischen Grund. Vor seiner fast kampflosen, wenige Stunden dauernden Einnahme durch die Sowjetarmee war Stettin ungefähr vierzehn Tage lang eingekesselt. Zeitweise wurden alle aus Stettin Richtung Westen geflohenen Leute von der Sowjetarmee zur Rückkehr nach Stettin gezwungen. Diese Stadt sollte deutsch bleiben und die Leute sollten nach Hause gehen. Andere sollten über die Oder, zurück in ihre weiter östlich liegenden Heimatorte. Man wollte die hundertausende Menschen nicht auf dem Land haben. Die Teile der Sowjetarmee, die die Oderübergänge kontrollierten ließen allerdings keine Deutschen über die Oder in den Osten. Ab der zweiten Maihälfte 1945 wurde die deutsche Bevölkerung von den Polen Richtung Westen getrieben. Aus Stettin ab Juni. Die gegenläufigen Bewegungsrichtungen der Deutschen trafen am Bahnhof Stettin-Scheune in einem Niemandsland aufeinander.

Hinsichtlich unserer drei Marquardt-Frauen ist unklar, ob sie bereits in der Ulrich-Massow-Straße in Stettin-Scheune waren und ob sie dort mit den gegenläufigen Flüchtlingsströmen in den ausgeplünderten fensterlosen Häusern und auf dem Acker festsaßen.

Bombenangriffe sind schwer zu ertragen, besonders für Leute, die sich, wie damals unter Deutschen üblich, selbst als bessere unschuldige Menschen einstuften. Dabei erlittene traumatische Erfahrungen wirken schwer. Der anschließende Aufenthalt an einem Schreckensort wie Stettin-Scheune verändert Überlebende nachhaltig. Fast alle tragen ihr Trauma lebenslang. Das zeigt sich gelegentlich in einem für Dritte unverständlichen Verhalten. Dieses hat meist harmlose Auslöser im modernen Leben. Fragen, Händeklatschen, Maschinengeräusche, bestimmte Lichtverhältnisse, Kleidung, Alltagsgegenstände, Landschafts- oder Ortsbilder u. ä. Ob unsere Mütter auch diese Last hatten blieb mir unbekannt.

Die drei Marquardt-Frauen tauchten 1945 im heutigen Ganderkesee Ortsteil Bürstel auf.

Das bestätigt die dortige Meldebehörde. Ob es vor Mai 1945, oder später war, konnte man nicht sagen. Bei meiner Recherche fanden sich über den dortigen Heimatverein noch zwei Augenzeuginnen, die sich an die Mutter mit den zwei heiratsfähigen Töchtern erinnerten. Sie erklärten auch: Die drei Frauen waren dann aber plötzlich weg. Ob das war bevor die Kanadier Ganderkesee eroberten oder danach, ist unbekannt. Bekannt ist dort, schon im März 1945 kamen in der Gegend Leute aus den östlichen Reichsgebieten an. Es wurden auch junge Nazis zur Erholung geschickt.

Karte Deutschland, von Lencer and NordNordWest – self-made, using Generic Mapping Tools, for re-creation, see the codeUnited States National Imagery and Mapping Agency data, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4159441, bearbeitet, hier: Kartenausschnitt zur Darstellung der Lebensstationen von Gisela Marquardt

Ganderkesee und Bürstel waren ab Ende April 1945 ein gefährliches Pflaster. Auch hier rächten sich entlassene marodierende Zwangsarbeiter in Banden mit Waffengewalt an der deutschen Bevölkerung. Das nahm erst ein Ende, als diese Leute über das UN DP-Camp in Delmenhorst in alle Welt verschickt wurden und als die deutsche Polizei von den Engländern/Kanadiern wiederbewaffnet wurde. In der zweiten Hälfte des Jahres 1945 waren die Verhältnisse um Delmenhorst ähnlich denen in Stettin-Scheune, nur dass die Deutschen noch in ihren Häusern wohnten und nicht wie in Scheune hilflos auf dem kahlen Acker standen. (vgl. die zwei Bücher über die „Schlechte Zeit“ aus Ganderkesee und Literatur über Stettin-Scheune, sowie meinen öffentlichen Vortrag zu Stettin-Scheune.) Die meist polnischen Zwangsarbeiter konnten nicht nach Polen zurück, weil sie dort teilweise noch am Tag der Ankunft wegen Kollaboration mit dem Feind hingerichtet wurden.

Einen genauen Zeitraum für den Aufenthalt der Marquardt-Frauen im Dorf Bürstel konnte ich nicht ermitteln. Vermutlich wäre wenigstens dessen Ende durch die Meldedaten in Delmenhorst aufzuklären. Die Delmenhorster Meldebehörde gab mir jedoch keine Auskunft. Die Klärung wäre familiengeschichtlich relativ wichtig, weil man so ermitteln könnte, ob die drei Frauen noch vor der Eroberung Stettins in Bürstel ankamen oder, ob sie möglicherweise die Schrecken in Stettin-Scheune miterlebten.

Arbeitsdokumente von Gisela erwecken den Anschein, als habe sie im Frühjahr 1946 bei der UN in Delmenhorst gearbeitet.

Soweit die mir bekannte Geschichte der Marquardts in Stettin.

Bei der Lektüre erkennt man, die Beschäftigung mit der Historie der Marquardts artet in eine interdisziplinäre Familiengeschichtsforschung aus. Sie bestand bisher hauptsächlich aus der Nebenrecherche zu kleinen Detailinformationen und daraus entwickelten Theorien, das ist sehr zeitintensiv. Aber auch ein Zusammenfügen solcher Recherche-Ergebnisse kann allmählich ein Bild vom Leben der Marquardts ergeben. Schöner wäre, wenn es glaubhafte Erzählungen der Erlebnisgeneration gäbe, die man anhand vorliegender Beweise verifizieren könnte.

Fazit 

Die vermutlich 27-jährige Episode der Marquardts in Stettin ist größtenteils tragisch. Die Nachwirkungen des ersten Weltkriegs und die Wirtschaftskrise in den 1920er Jahren spielten dabei eine Rolle. Mindestens zwölf Jahre der Zeit lebte die Familie unter den sozialen Regeln eines menschenverachtenden politischen Systems. Dabei besteht der Verdacht, dass Mitglieder der Familie diesem System zum Opfer gefallen sind. Einzelheiten über das gesellschaftliche und das Familienleben dort wurden zumindest in der späteren Familie von Gisela Marquardt geheim gehalten. Ebenso wie der Weg der Restfamilie, als sie Stettin verließ. Der tatsächliche Grund dafür bleibt unklar. Es fehlen noch Belege über das familiäre Leben dort, Fotos, Zeugnisse, evangelisch kirchliche Dokumente usw. Bisher ist nicht eindeutig erkennbar, aus wieviel Personen die Familie Marquardt in Stettin insgesamt bestand. Für die private Familiengeschichtsforschung bleibt noch viel zu tun, bis es belegbare Ereignisse vom dortigen sozialen und alltäglichen Familienleben der Marquardts gibt.

Die Tochter Gisela Marquardt heiratete im Dezember 1948 in Delmenhorst den aus Erfurt kommenden Karlheinz Schmidt. Während der Ehe arbeitete er in Indien, etlichen arabischen Staaten und meist in anderen Teilen der deutschen Republik. Deren Sohn verfasste den Recherche-Bericht und er stimmt der Veröffentlichung zu.

Es wäre schön, wenn jemand etwas zum Tun der Marquardts und Balks beitragen könnte.

Wolfram Stratmann, im November 2019

Eine Filmidee mit Folgen – Die Familie Marquardt in Stettin, Teil 2

Fortsetzung, Teil I siehe hier

Ein Gastbeitrag von Wolfram Stratmann

 

Erzählungs-Fragmente zum Familienleben in Stettin:

Man muss sich bei der Lektüre vergegenwärtigen, dass es sich hierbei um „Hörensagen“ über mündliche teilweise versehentlich spontan geäußerte Informationsfragmente von Gisela handelt. Die geschilderten Ereignisse sollten möglichst mittels zweier Quellen verifiziert werden.

Eine halbwegs zusammenhängende Erzählung weist auf die Großeltern in Altdraheim hin. Gisela berichtete mehrfach:

Unser Vater hat uns als Kinder mit zu den Großeltern genommen. Unsere Oma hat sich sehr gefreut. Die haben in einem Gut gewohnt. Der Opa fing Streit an. Es gab so viel Ärger, dass wir schnell wieder abreisen mussten. Der Opa war der neue Mann von Oma. Sie hatte den geheiratet, als ihr erster Mann nicht aus dem Krieg zurückkam. Er wollte unseren Vater und uns dort nicht haben.

Zumindest aus Sicht des Lebens in Stettin lässt sich vermuten, dass die Ursprungsfamilie von Karl in Altdraheim, nach dem Ende des ersten Weltkriegs zerfallen ist und der Kontakt auf ein Minimum reduziert war. Die Eltern väterlicherseits (also unsere Urgroßeltern in Altdraheim, insbesondere unsere leibliche Urgroßmutter) hatten deshalb wohl wenig Einfluss auf die Familie unserer Großeltern und auf unsere Mütter in Stettin.

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Eine Filmidee mit Folgen – Die Familie Marquardt in Stettin, Teil I

Ein Gastbeitrag von Wolfram Stratmann

Der nur noch halbumtriebige ehemalige Kunststudent jongliert mit Projektideen, um von seinen altersbedingten Erbsenzähler-Neigungen abzulenken. Mach doch einen Film. Das ist heute leichter als früher, weil die Fummelei mit den kilometerlangen Zelluloid-Streifen wegfällt. Eine Dokumentation, oder eine Mockumentary käme in Frage. Letztere ist eine fiktive Dokumentation über irgendeinen scheinbar wahren Unsinn. Das macht mehr Spaß. Eine Idee zu einer Geschichte ist da. Das grobe Konzept für die Doku oder Mocku könnte etwa so aussehen:

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