10 Jahre Ahnenforschung

Ein Jahrzehnt Forschung, Hobby, Leidenschaft. Im Sommer 2010 fing ich als 13-Jähriger an, meine Vorfahren zu erforschen.

Verwandte befragen, Daten prüfen und eintragen, Archive besuchen – dies wurde für mich zu einer fast täglichen Routine. Es hat etwas wundervolles, die Lebenswege der Vorfahren zu ermitteln, Familienrätsel zu lösen und neue Verwandte zu finden. Es ist eine Leidenschaft, die in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen dazu bewegt hat, ihre Vorfahren zu erforschen.

Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich die Forschung stark verändert, sie entwickelt sich stetig weiter. Ein Besuch im FamilySearch Center und die Ausleihe von Mikrofilmen gehörte vor einigen Jahren zur Routine eines jeden Forschers, inzwischen sind die meisten Mikrofilme digitalisiert und im Internet einsehbar.

Auch der Besuch beim Standesamt und die Forschung in Archiven hat sich in den letzten Jahren verändert. Immer mehr Standesamtsregister, Kirchenbücher und Sekundärquellen werden indexiert, digitalisiert und sind bei verschiedenen Anbietern (kostenpflichtig) verfügbar.

Wie einfach die Forschung doch geworden ist, oder? Vom heimischen PC aus die Vorfahren in der ganzen Welt erforschen. Name des Ahnen in die Suchmaschine eingeben, Urkunde anklicken und mit dem Stammbaum verknüpfen. Das war’s – auf zum nächsten Vorfahren… oder?

Die Digitalisierung bringt viele Vorteile mit sich, stellt aber auch eine gewisse Gefahr dar. Viele Anfänger prüfen nicht, ob es sich wirklich um den gesuchten Ahnen handelt.

„Es wird schon passen – schließlich ist es das gleiche Geburtsdatum“ – war eine Aussage eines Forschers, welche ich kürzlich in einer Forschergruppe auf Facebook gelesen habe. Es stellte sich heraus, dass das Kirchenbuch nicht richtig indexiert und mehrere Einträge nicht erfasst wurden. Der „Es wird schon passen“-Vorfahre ist übrigens mit 2 Jahren verstorben.

In den vergangenen 10 Jahren habe ich gelernt, nicht nur eine Quelle bei der Forschung zu verwenden. Standesamtsregister oder Kirchenbücher sind die „Must-haves“ eines jeden Forschers, doch bieten diese in einigen Fällen nur wenige Informationen. Eine Forscherin suchte Informationen zu einen Ahnen, welcher im Januar 1903 in einem See ertrunken ist. Kirchenbuch und Standesamtsregister gaben als Todesursache nur „Ertrunken“ an.

War dies ein Unfall – oder ein Selbstmord?

Die Lösung fand sich in einem Zeitungsartikel, welcher 2 Tage später erschienen ist. Der Ahne war mit Schlittschuhen über den zugefrorenen See zur anderen Seite gefahren, kam allerdings nicht mehr zurück.

Durch eine Entengruppe war das Eis an einer Stelle erwärmt, wo er leider hineingefallen ist. Die Dorfbewohner suchten ihn mehrere Stunden lang, fanden jedoch nur noch die eingebrochene Stelle.

Beispiel von hilfreichen Artikeln mit Nennung der Personen

Viele sogenannte Sekundärquellen sind den Forschern noch nicht bekannt, weshalb es ratsam ist, andere Forscher, Forschergruppen und Vereine aus der Region zu kontaktieren und sich auszutauschen. Der Pommerscher Greif e.V. hat verschiedene Ansprechpartner zu den einzelnen Kreisen in Vor- und Hinterpommern.

Ähnlich sieht es bei dem Verein für Mecklenburgische Familien- und Personengeschichte (MFP) oder bei der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher (AGoFF) aus.

Ich selber wurde Mitglied im Arbeitskreis Familiengeschichte Vorpommern, baute Kontakte zu anderen Forschern auf und bekam dadurch Hinweise zu interessanten Sekundärquellen, welche meine Ahnenforschung bereichern. Gemeinsam arbeiten wir an Abschriften und an der Beschaffung von weiteren Quellen.

Für mich ist es wichtig, nicht nur an die eigene Forschung zu denken. Ich bekam Hilfe – und möchte die Hilfe auch den (zukünftigen) Forschern zurückgeben. Doch wie kann diese Hilfe aussehen?

  • Anfertigen von Abschriften, Indexierung von Quellen
  • Hilfe anbieten im örtlichen Archiv/Verein
  • Veröffentlichung von Forschungsergebnissen

Im Juni 2016 wurde ich gefragt, ob ich die Funktion als Ansprechpartner für den Kreis Demmin beim Pommerscher Greif übernehmen möchte. Diese Funktion nahm ich sehr gerne an, übernahm im August 2016 die vielen Unterlagen von Elmar Bruhn und wurde somit Ansprechpartner.

Demmin, eine kleine Stadt in Vorpommern mit einer wechselvollen Geschichte. 2016 hatte mich persönlich noch nicht viel mit dieser Stadt verbunden, doch dies änderte sich schnell.

Durch die Funktion als Ansprechpartner baute ich Kontakte zu örtlichen Forschern und Vereinen auf, wodurch neue und gemeinsame Projekte geschaffen wurden.

Gemeinsam mit dem Garnisonsverein Demmin e.V. digitalisiere ich seit 2018 den Demminer Museumsbestand, wodurch ein erheblicher Teil des früheren Demminer Museums online verfügbar wurde.

Inzwischen wohne ich in Demmin und habe mit mehreren Personen den Demminer Heimatverein e.V. gegründet, wo wir in verschiedenen Themengebieten tätig sind. Ein Hauptthema ist hierbei die Errichtung eines Heimatarchives, die Pflege der niederdeutschen Sprache sowie die Verschönerung von Demmin.

Es macht mir weiterhin Spaß, die Vorfahren zu erforschen – auch wenn es jetzt meistens nicht die eigenen sind. Meine eigene Forschung ruht derzeit, wird jedoch immer mal wieder fortgeführt, wenn neue Quellen auftauchen.

Ich freue mich auf den Austausch und die weitere Zusammenarbeit mit den Forscherkollegen und bin gespannt, wie es in den nächsten 5 Jahren aussieht. Gerne berichte ich hier dann wieder 😊

Siehe auch: 5 Jahre Ahnenforschung

Liebe Grüße,

David (Krüger)

2 Gedanken zu „10 Jahre Ahnenforschung

  1. Hallo David,
    so vergeht die Zeit. Du warst noch Schüler wie wir Kontakt hatten,
    Ich habe dich und deine Mutter dann auf dem Pommerschen Greif persönlich kennen gelernt.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Recherchen.

    Liebe Grüße aus Roßdorf
    Bärbel

  2. Lieber David,
    das ist ein wirklich toller Beitrag. Ich hatte mich immer gewundert wie du zum Demminer Bürger wurdest.
    Die Hinweise auf Sekundärquellen sind immer sehr wertvoll.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.

    Gruß
    Jana

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