Alfred Haas – Lebensbilder eines Bergener Heimatforschers

Kürschnermeister Uwe Hinz hat in der Facebookgruppe “Historisches Bergen auf Rügen” den folgenden Beitrag veröffentlicht. Wir danken für sein Einverständnis, den Artikel auch hier zu publizieren.

Liebe Freundinnen und Freunde, am 8. Juli jährte sich der 160.Geburtstag des in Bergen geborenen Heimatforschers, Hobbyarchäologen und Fotografen Prof. Dr. Alfred Haas. Gleichzeitig vor 70 Jahren im Juli verstarb er in Bergen. In 2 Teilen möchte ich seine Lebensstufen nachzeichnen und Ihnen ein Bild geben von seiner Zeit und den politischen Umständen.
Bleiben Sie weiterhin aufmerksam und nachdenklich!
Ihr Uwe Hinz

Alfred Haas – Lebensbilder eines Bergener Heimatforschers

„Ich habe noch so vieles über das ich nachdenken muß!“

Dieser Ausspruch von Professor Dr. Alfred Haas ist Ausdruck für ein engagiertes Leben zur Erforschung und Bewahrung unseres kulturellen Erbes. Am 8. Juli dieses Jahres gedenken wir seines 160sten Wiegenfestes . Gleichzeitig ist es auch der Monat seines Todes am 27. Juli vor 70 Jahren.

Der junge Alfred Haas

Der junge Alfred Haas


Jeder an rügenscher Kulturgeschichte Interessierte wird irgendwann eine Begegnung mit Aufsätzen oder Sagen von Prof. Dr. Alfred Haas haben. Ihm verdanken wir ein schnelleres und fundiertes Auffinden unserer historischen Wurzeln, denn sein umfangreiches Werk besteht aus über 1000 Veröffentlichungen. Seine Arbeiten geben ein vielschichtiges Spektrum zur Geschichte Pommerns und Rügens, zur Mundart und Ethnographie wieder. Beiträge über historischen Geographie und Aufsätze finden wir u.a. in den Journalen „Pommersche Heimat“ und „Rügensche Heimat“. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl gut fundierter, historischer Beiträge in den damaligen Zeitungen und Abhandlungen, in den Journalen für „Pommersche Volkskunde“ zwischen 1893 und 1902. Ebenso war Haas ein kritischer Rezensent.
Ein Volkskundler wie Haas, der sich mit regionaler Historie intensiv auseinandersetzte, betätigte sich auch als Archäologe. Er suchte und fand archäologische Kostbarkeiten, die in seine Sammlung Eingang fanden. Weniger bekannt war sein Hobby, den geschichtlichen Moment im Foto festzuhalten.
Pommern, Rügen und Alfred Haas, das ist eine unteilbare Symbiose.
Wer war nun dieser Mann, der mit 86 Jahren 1946, mit runder Nickelbrille auf der Nase, gepflegtem Oberlippen- und Kinnbart und stets standesgemäß gekleidet, mit dazugehörender umgebundener Fliege, wie folgt beschrieben wurde: „Als ich … meinen ersten Besuch in Bergen machte, saß dort ein kleiner, rundlicher Mann.“
Sein Wissen hat er noch im hohen Alter gerne erzählend weiter gegeben.
Er muss jedoch eine unauffällige Persönlichkeit gewesen sein, denn auf mein Nachfragen gegenüber alten Bergenern, hatten diese keine Erinnerung an diesen Herren.
Dafür prägt bis zum heutigen Tag sein Werk um so mehr unser Geschichts-bewusstsein.
Sein Sterbehaus in der Dammstrasse 43, es war das Wohnhaus des jüngsten Bruders des Kreisobersekretärs Fritz Haas ( 1871 – 1954), ist gekennzeichnet durch eine bronzene Gedenktafel. Diese wurde auf Initiative des Ehepaars Zerning am Aufgang angebracht.
In den Kriegswirren hielt Alfred Haas bis zur Bombardierung von Stettin durch die Alliierten an diesem Wohn- und Arbeitsort fest. Am 17. August 1944 erlitt er den totalen Verlust seiner Wohnung und seine dort vorhandenen Manuskripte und Sammlungen gingen verlustig. Darauf kam er zurück nach Bergen auf Rügen, wo sein Bruder bereits längere Zeit ein Zimmer für ihn bereithielt.

Dieses Haas- Haus in der Dammstrasse 43 besitzt eine interessante Fassadengestaltung.

Dammstrasse 43

Dammstrasse 43

Sie weist auf die damalige Einstellung „ nationaldeutschen Denkens“( nicht zu verwechseln mit nationalistischem Gedankengut) der Besitzer hin. In einen großzügigem Reliefband finden wir an der Fassade des giebelständigen Hauses das Symbol dieser Zeit, das Eichenblatt“, der deutschen Freiheit und Einheit. Es stand für die deutsche Tugend, für Kraft, Unbeugsamkeit und Stärke.

Kindheit und Jugend

Die Wiege von Alfred Moritz Wilhelm Gottlieb Haas stand in Bergen. Hier erblickte er als 2. von 9 Kindern am 8. Juli 1860 das irdische Licht. Da die ältere Schwester bereits vor seiner Geburt verstarb, war er nun das älteste Kind. Der Vater Julius Otto Valentin Haas arbeitete als königlicher Kreissekretär und war der Sohn des Stralsunder Schuhmachermeisters Haas. Die Mutter Augusta Maria Christina Grabow war eine gebürtige Bergnerin.
Der kleine Alfred wurde am 12. August 1860 in St. Marien getauft.
Die Taufe nahm Pastor Schultze vor.

Familie Haas

Alfred Haas – sitzend links in der 2. Reihe – mit seiner Familie

Der kleine Alfred besuchte von 1872- 1878 die Knabenschule zu Bergen auf Rügen.
Danach ging er an das königliche Pädagogium nach Putbus auf Rügen. Hier legte man besonderen Wert auf eine fundierte humanistische Ausbildung. Im ersten Jahr wurden vorrangig Latein und Griechisch gelehrt, jedoch nur zwei Schulstunden deutsch. Selbst im dritten Jahr, der Untersecunda gab es 10 Stunden Latein, 4 Stunden Griechisch und wiederum nur 2 Stunden deutsch wöchentlich. Jedoch stand alle 14 Tage das Schreiben eines Aufsatzes auf der Tagesordnung. Themen waren u.a. „ Krieg und Frieden in der dichterischen Darstellung in Schillers Werken“ oder „ Die Thränen, die auf Erden geweint werden“. Ebenso gab es Arbeiten in lateinischer Sprache.
Dass wohl auch hier versucht wurde die gestrenge Prüfung der Aufsätze zu umgehen, zeigte eine Anfrage des königlichen Provinzial- Schul- Kollegiums zu Pommern vom Januar 1877 über den Umlauf von bereits durch Pädagogen korrigierte Aufsätze unter den Eleven. Nach Prüfung der Anfrage konnte der Pädagogiumsdirektor Dr. Sorof den Verdacht für das Pädagogium in Putbus entkräften.
Zum Ende des Schuljahres erfolgte eine bis zu 4 Stunden dauernde öffentliche Prüfung.
Am Putbusser Pädagogium erhielt Alfred Haas eine Förderung in Form eines fürstlichen Beneficiats.
1878 bestand er das Abiturientenexamen. Danach trug er sich für 4 Jahre an der Greifswalder Universität der Philosophischen Fakultät unter der Matrikelnummer 34 für alte Sprache und Geschichte ein. Kurzzeitig interessierte ihn auch das Fach Theologie.
In Greifswald wohnte Alfred Haas bei der Familie Stark in der Langefuhrstrasse, der heutigen Löfflerstrasse.
1906 schrieb Alfred Haas seine sehr persönlichen Lebensgedanken, die der Öffentlichkeit leider nur fragmentarisch bekannt sind. Interessant ist , dass diese Erinnerungen in der dritten Person geschrieben sind. Das zieht Vergleiche zu Friedrich II. auch der Große genannt. Dieser sprach und schrieb in der dritten Person von sich.
Haas lehrte ab 15. November 1882 bis Ostern 1883 in der Knabenschule zu Bergen auf Rügen als Konrektor . Interessant war seine zeitweilige Lehrtätigkeit im Sommer 1883 an der höheren Mädchenschule zu Bergen.

Bergen, Königstrasse um 1920

Die Entwicklung einer höheren Mädchenschule verdanken die Bergener dem engagierten Handeln des Fräulein Luise Guttzeit ( 1854- 1929), die die erste private Schule ( Calandstraße 3) dieser Art 1893 gründete. Ihre Grabstelle befindet sich auf dem Bergener Alten Friedhof. Die allgemeine Schulbildung war noch im 19.Jahrhundert den Knaben vorbehalten.

Am 25. Februar 1884 promovierte Haas zum Doktor phil.. Grundlage war das testamen rigorosum zum Thema in lateinischer Sprache: „Welche Quellen hat Aelius Aristides bei der Abfassung der Abhandlung oder Rede, die überschrieben ist »Über die Vieren« benutzt?” Die prüfenden Professoren Kiesling, Kaibel und Susemihl unterstrichen den Fleiß, der in der Arbeit steckte, konstatierten jedoch das ungeschickt gestellte Thema und damit die Schwierigkeit der Beantwortung. Prof. Kaibel forderte Herrn Alfred Haas auf sein schülerhaftes Latein sorglich zu überarbeiten.
Am 8. Dezember 1883 um 16,15 Uhr setzte der Dekan die mündliche Prüfung an mit dem Ergebnis für die Dissertation „ diligenter scripta“(sorgfältig geschrieben) und für die mündliche Prüfung „non sine laude“(nicht ohne Lob).
Am 8.Januar 1885 bestand er das Examen „ pro facultate docendi“
Im selben Jahr bis 1886 war er am königlichen Marienstiftsgymnasium in Stettin für ein Probejahr eingestellt und gleichzeitig Mitglied des königlichen Seminars für gelehrte Schulen.

Stettin

Am 01. April 1886 trat er in den Militärdienst ein für, ein einjähriges freiwilliges Jahr. Er diente beim 42. Infanterieregiment in Greifswald bis 1887.
Ab November 1893 war Haas der Landwehr als Unteroffizier zugeordnet.
Mit seiner Gesundheit stand es allerdings nicht zum Besten. Da er u.a. kein Kostverächter und Freund guter Mahlzeiten war, stellte sich bald ein Gallenleiden ein, sowie rheumatischen Beschwerden und Nervenleiden.
Während der militärischen Dienstzeit erlitt Haas einen Kniescheibenbruch, der auch seine Lehrertätigkeit zeitweise stark behinderte.
Nach absolviertem Militärdienst ging Haas wieder nach Stettin und lehrte dort 2 Jahre an „Genesis – Höherer Töchterschule“.
Nach dieser Zeit legte er eine Schulamtsprüfung vor der königlichen Preußischen Wissenschaftlichen Kommission in Greifswald ab. Nach bestandener Prüfung erweiterten sich seine Lehrbefugnisse für Latein. Geschichte und Religion. Seine wohl nicht ganz befriedigenden Lateinergebnisse bewogen ihn dazu 1887 eine erneute Prüfung in Latein, abzulegen. Als Ergebnis durfte er nun in allen Klassenstufen Latein unterrichten.

Stettin

So sah sich Dr. Alfred Haas ab dem 1.04.1889 als wissenschaftlicher Hilfslehrer am städtischen Schiller – Gymnasium in Stettin, der zweitgrößten Knabenschule. Hier wirkte Haas bis zu seiner Pensionierung 1925.
Am 29.09.1894 ernannte man Haas zum Oberlehrer und am 27.01.1906 wurde ihm das Patent eines Gymnasialprofessors verliehen. Während dieser Lehrtätigkeit wirkte er fast ausschließlich als Ordinarius (Klassenleiter).

Familie

Friedchen Bertha Maria Holfreter, Tochter des Bergener Bäckereibesitzers und Bäckeraltermanns Holfreter und der Mutter Marie , geb Thiede in Bergen, heiratete am 27. Dezember 1889 Dr. Alfred Moritz Wilhelm Gottlieb Haas in der Bergener St. Marien- Kirche.

 

Familie Haas

1891 kam Sohn Otto Julius Heinrich Hans und ein Jahr darauf Sohn Alfred Leopold Martin Karl Hans zu Welt. Sohn Otto, Oberleutnant zur See starb am 30.07.1918 in Brügge und Sohn Alfred verstarb einen Tag vor Vollendung des 11. Lebensjahres. Die 1906 geborene Tochter Hildegard Anna Margarete lebte bis 1995 und starb in Ütersen bei Hamburg.

1905 zog Familie Haas in Stettin, in eine 6 Zimmer Wohnung in der damaligen Arndtstraße in der Nähe des Schiller- Realgymnasiums ( ab 1890). Viel Zeit verbrachte er hier mit Quellenstudien.
Das Leben des Alfred Haas blieb von weiteren Schicksalsschlägen nicht verschont. So musste er nach dem Tod der beiden Söhne am 2. November 1920 den Tod seiner Frau Friedchen in Stettin mit 52 Jahren betrauern.
Eine Haushälterin führte fortan die Wirtschaft fort.
Haas sah sich stets seiner Heimat und den Menschen verbunden. Seine Neugierde zur Historie beflügelte seinen Wissensdurst.

Heimatkundliche Arbeiten

So trat er bereits zwischen 1885/86 der „ Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde“ bei mit der Registratur Nr.13. Hier versah er das Amt des Bibliothekars, wurde 1898 in den Beirat gewählt. Von 1924 – 1933 war Alfred Haas gewähltes Vorstandsmitglied. Am 29. Mai 1933 ernannte ihn die Hauptversammlung zum Ehrenmitglied.
Nach Abspaltung und Gründung des „Rügisch- Pommerschen Geschichtsvereins“ wurde Haas auch hier Mitglied.
Haas war ein rühriger Referent und nicht nur Literat. Vorträge zu halten u.a. über „ Die Insel und Kloster Hiddensee ( 1888) , über „Schloß Spycker auf Rügen und seine Besitzer“(1891) war ihm wichtig. Darüber hinaus nahm er die Herausgabe der „ Blätter für Pommersche Volkskunde“ wahr.
Nach den zwanziger Jahren brach eine reiche Schaffensepoche an.
Haas hatte seine Studien sorgfältigst aufgeschrieben, gesammelt und in Karteien aufbewahrt. Daraus schöpfte er sein Wissen für die über 1000 Publikationen.
Neben zahlreichen historischen Erkundungen schuf er ein bleibendes Werk mit seinen im Mai 1891 in Stettin bei Johs. Burmeisters verlegten „Rügensche Sagen und Märchen“.

Rügensche Sagen

Haas hat diese gesammelt und herausgegeben. Dabei griff er auf umfangreiche Vorarbeit zurück. Es waren „Die Volkssagen von Pommern und Rügen“ von Jodocus Donatus Hubertus Temme, die 1840 in der Nicolaischen Buchhandlung zu Berlin erschienen und die Jahnsche Sammlung von 1890. In seiner Einleitung schrieb er:“Die Sage lebe in und mit dem Volke;sie gehört zu dem romantischen Theile seines Lebens,den es mit einem eigenthümlichen poetischen Kleide umgeben hat. Sie gehört in solcher Weise seinem vergangenen, wie seinem gegenwärtigen Leben an; sie zieht sich selbst bedeutungsvoll in seine Zukunft hinüber.“

Die gesammelten Rügenschen Sagen und Märchen erschienen in mehreren Auflagen . In der ersten Auflage im Mai 1891 finden wir noch unter den Sagen die jeweiligen Erzähler vermerkt.
Haas schrieb im Vorwort seiner in Stettin 1891 erschienenen 1. Auflage: „Einerseits hoffe ich, dass meine rügenschen Landsleute nicht ungern sehen werden, wenn sie die Sagen ihrer engeren Heimat, mit welchen sie aufgewachsen und groß geworden sind, in einer besonderen Sammlung vereint finden und nachlesen können. …“
Märchen und Sagen erzählen von den Sehnsüchten, den Begehrlichkeiten und den täglichen Verrichtungen der Menschen in einem verkleideten, phantastischen Gewande.
Haas hat die ihm erzählten Sagen in drei große Kapitel eingeteilt: Mythische Sagen, naturgeschichtliche Sagen und geschichtliche Sagen. Diese sind dann noch einmal in 23 Unterkapitel eingeteilt, die von der Mahrt, den elbischen Geistern, Wassergeistern, Krankheitsdämonen, Riesen, Werwölfen, Wundern, Glocken, Schätzen, Tieren, Gestirnen und landesgeschichtlichen Sagen erzählen.

In der Monatsbeilage der „ Pommerschen Heimat“ finden wir immer wieder unter „Mitteilungen des Bundes Heimatschutz, Landesverein Pommern“ Beiträge von Prof. Dr. A. Haas.

In den Ausgaben „ Rügensche Heimat“ ist eine Vielzahl seiner Beiträge zu
finden. So z.B. „ Die Rügensche Thingstätte auf dem Rugard” oder „ Eine 300 Jahre alte Rechnung“.

Nationalsozialismus

Kritisch anmerken möchte ich doch seine Nähe zum NS-System. Als es um die Entwicklung des Rugard zum „nationalsozialischen Wallfahrtsort“ ging (Thinkstätte, Mallon-Denkmal, Burgwall), beugte er sich der Macht und dem Germanenkult und schrieb in der „Rügenschen Heimat“ zu der Thingstätte auf dem Rugard: „Für den germanischen Ursprung spricht einmal die Art der Anlage des Befestigungswerkes und sodann Ueberblick über die Altertumsfunde, die auf und neben dem Burgwall gemacht worden sind“.
Ein weiterer Sympathiebeweis für das System sind seine unkommentierten Aufzeichungen zu den „Pommerschen Freimaurersagen (Ersterscheinung 1921). In der Neunten Auflage der „Rügenschen Sagen“ waren bereits 293 Sagen zu verzeichnen. Die Darstellung der „Freimaurer“ wurde bezeichnend unter der Rubrik Hexen,Werwölfe und Zauberer geführt.
Hier heißt es im Beitrag 176 u.a.:“ Die Freimaurer haben mit dem Teufel einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem dieser ihnen Geld verschafft, damit sie vergnügt leben können…. Sie können nämlich nicht im Bett sterben, sondern nur sitzend oder stehend.“
Fazit: Hier spielt die Darstellung und Verunglimpfung dieser Menschen der Ideologie den Nationalsozialisten in die Hände. Die Bruderschaft der Freimaurer wurden 1935 als „Weltverschwörer“ verboten.
Das soll aber das Wirken und den Dank an Alfred Hass nicht schmälern, denn ohne seine Forschungen wäre uns heute Lebenden so manches verborgen geblieben oder verloren gegangen.

Strand mit Fischerhütte und Königsstuhl, Stubbenkammer

Strand mit Fischerhütte und Königsstuhl, Stubbenkammer

Nicht vergessen möchte ich die „ Rügenschen Heimatkalender“, die seit 1908 jährlich erschienen. Diese schöne Tradition ist durch den Verband „ Insula Rugia“ seit 1993 wieder aufgelebt. In der DDR erschienen keine Heimatkalender, warum auch immer!

Dass Alfred Haas ein begnadeter Fotograph war, bewies er in seinem 1914, im Verlag von E. Abel in Saßnitz auf Rügen, erschienen Büchlein „Stubbenkammer, Herthasee und Herthaburg„ .In seinem Vorwort vermerkt er:“ Der Inhalt des Büchleins beruht keineswegs auf neuen, tiefgründigen Forschungen, sondern bringt vielmehr eine übersichtliche Darstellung dessen, was in der ziemlich umfangreichen Literatur und in der mündlichen Überlieferung über Stubbenkammer, über Herthasee und Herthaburg bekannt geworden ist. Für den Herausgeber würde es eine Freude und Genugtuung sein, wenn dieser Zweck wirklich erreicht werden und das Büchlein dazu beitragen würde, der schönen Insel Rügen neue Freunde zu gewinnen.”
Im Anzeiger für die Stadt Bergen und die Insel Rügen erschien eine umfangreiche Beilage „ Beiträge zur Geschichte der Stadt Bergen auf Rügen“ gesammelt und herausgegeben von Dr. A. Haas. Erschienen ist dieses Buch bei Gustav Krüger in Bergen a. Rügen. Haas verweist in der Einleitung darauf, dass durch eine Feuerbrunst 1690 das städtische Archiv vernichtet wurde und er weitgehendst als Quelle die Aufzeichnungen des Rektors der Stadtschule zu Bergen C.F. Droysen benutzte. Diese befänden sich im Stadtarchiv. Erwähnung findet ebenso Pastor G.A. Schultze und der Fundus des Bergener Pfarrarchivs.
Lassen wir es bei den wenigen, aufgeführten Marginalien zum Haasschen Werk bewenden.
Während des 2. Weltkrieges versuchte Tochter Margarete den Vater immer wieder zu bewegen Stettin zu verlassen.
Stettin war die pommersche Landeshauptstadt, einst Residenz der pommerschen Herzöge, eine Metropole für Kultur, Wissenschaft, Verwaltung und Hafenstadt.
Sicherlich ist es verständlich, wenn der nun alternde Prof. Dr. Alfred Haas sich hier wohlfühlte.

Lebensende

Erst der persönliche Verlust seiner Habe am 17.08.1944 führte zu dem Entschluss Stettin zu verlassen, wie bereits berichtet. Das Ergebnis war seine Rückkehr nach Bergen auf Rügen in die Dammstraße 43.

Alfred Haas

Im Februar 1949 feierte er in Bergen sein 65 jähriges, das eiserne Doktorjubiläum. Das besondere Ereignis wurde weit über die regionalen Grenzen gewürdigt.

Am 8.Juli 1950 beging Prof. Dr. Alfred Haas noch sein 90.Wiegenfest und der berühmte Bergener Bürger wurde erneut vielfältigst geehrt.
Seine fortschreitende Sehschwäche behinderte natürlich seine Schaffenskraft. Außerdem war Haas bereits durch Krankheit ans Bett gefesselt und wurde durch die Tochter Margarete gepflegt.
Seine Unermüdlichkeit ist wohl kaum zu überbieten, wenn wir seine Worte vernehmen: „Ich habe noch so vieles über das ich nachdenken muß!“
Als Prof. Dr. Alfred Haas am 27. Juli 1950 die Augen schloss, hatte er eine große Wohltat für nachfolgenden Generationen getan und uns ein umfangreiches Werk hinterlassen.
Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab Haas auf dem „Alten Friedhof zu Bergen auf Rügen”.

Nicht vergessen möchte ich die Haas- Forscherin Frau Elke Maier, die unermüdlich über Alfred Haas forschte damit er nicht in Vergessenheit gerät.

Es ist mein Anliegen die Symbiose zwischen dem Menschen Alfred Haas, seinem bescheidenen Auftreten, seinem Werk und die Wichtigkeit und Nachhaltigkeit für unsere Kulturgeschichte zu erhalten.
Kürschnermeister Uwe Hinz
Alle Abbildungen stammen vom Autor.

2 Gedanken zu „Alfred Haas – Lebensbilder eines Bergener Heimatforschers

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht mit Bildern über sein Leben. Prof. Dr. A. Haas hat auch für die Usedomer und Wolliner eine wundervolle Sammlung von Sagen veröffentlicht, darüber freuen sich bestimmt noch viele Generationen.
    Grüße von der Insel Usedom
    Hilde Stockmann

  2. Sehr geehrte Damen und Herren, ich hoffe, dass ich Ihnen mit dem Beitrag zu Alfred Haas eine Freude bereiten konnte. Auch Haas war ein Kind seiner Zeit und so sollten wir Menschen des 21. Jahrhunderts ihn auch sehen in all seinen Facetten.
    Wer mehr über Bergen auf Rügen erfahren möchte,dem empfehle ich mein Buch “Bergen, einst und jetzt”. Es ist eine geschichtliche Gegenüberstellung des alten und des neuen Bergens. Sie können mich kontaktieren unter firma-hinz@web.de oder gehen Sie einfach auf meine Homepage http://www.firma-hinz.de. Dort finden Sie auch weitere historische Beiträge. Ich bin auch stets interessiert an Fotos und geschichtlichen Hintergründen für meine Arbeit, auf dass unsere Geschichte nicht verloren geht.
    Seien Sie herzlichst aus Bergen gegrüßt
    Kürschnermeister Uwe Hinz

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