Allerheiligen – Dorfkirchhof

Dorfkirchhof Neuenkirchen

Dorfkirchhof Neuenkirchen, Abb. aus Heimat-Kalender für den Stadt- und Landkreis Greifswald 1919

Der Theologe Ludwig Gotthard Kosegarten; auch Gotthart Ludwig Kosegarten, Ludwig Theobul Kosegarten u.a.m. (* 1. Februar 1758 in Grevesmühlen; † 26. Oktober 1818 in Greifswald) war Pfarrer der Kirche Altenkirchen auf Rügen, später Professor an der Universität Greifswald.

Als Sohn des lutherischen Pastors Bernhard Christian Kosegarten (1722–1803) erhielt er zu Hause Unterricht in klassischen Sprachen. Ab 1775 studierte er an der Universität Greifswald Theologie. Wegen Geldmangels nahm er nach 1777 wechselnde Anstellungen als Hauslehrer auf Rügen und in Mecklenburg an. 1781 legte er das Examen ab. Im Sommer 1785 wurde er Rektor der Knabenschule in Wolgast; zu seinen Schülern gehörte hier auch der spätere Maler Philipp Otto Runge. Im Jahr 1785 wurde er von der Universität Bützow zum Magister ernannt; 1793 erwarb er an der Universität Rostock den theologischen Doktorgrad.

Nach seiner Ordination 1792 erhielt er die Pfarrstelle in der Pfarrkirche Altenkirchen auf Rügen. 1808 wurde Kosegarten als außerordentlicher Geschichtsprofessor an die Universität Greifswald berufen

Er hat sich auch als Dichter einen Namen gemacht. Zu Allerheiligen seine Gedanken zum Dorfkirchhof, zusammen mit obigem Bild abgedruckt im Heimat-Kalender für den Stadt- und Landkreis Greifswald 1919

 Der Dorfkirchhof  –  Elegie.

Zu Grabe sinkt der abgeschiedne Tag,
Die Herden wanken blökend übers Feld.
Der müde Pflüger sucht sein friedlich Dach,
Und räumt der Dunkelheit und mir die Welt.

Die Landschaft dämmert in dem Abendduft,
Rings waltet Stille, die die Brust beklemmt.
Nur summt der Käfer brausend durch die Luft.
Nur pfeift der Junge, der die Pferde schwemmt.

Nur heult die Eul’ im alternden Gestein
Und klagt ihr Leid dem mitbewußten Mond,
Wenn etwa Frevler den Bezirk entweihn,
Den seit Jahrhunderten ihr Volk bewohnt.

Hier, wo die Ulme mit dem Tax sich paart,
Wo grünbewachsen Sod’ an Sode ragt,
Hier ruhn des Dorfes Ahnen wohlverwahrt,
Und keinem ward sein enges Haus versagt.

Der würzereichen Frühe frisches Kühl,
Der Schwalbe Zwitschern, die den Gatten weckt,
Des Hifthorns Schall, des Tages froh Gewühl
Weckt nicht die Schläfer, die der Rasen deckt.

Es flammt nicht mehr der traute Herd für sie.
Kein kosend Weib scheucht ihren Überdruß,
Kein schmeichelnd Kind erklimmt ihr schaukelnd Knie,
Und bettelt um ein Märchen, einen Kuß.

Wie oft zerbröckelt’ ihres Pfluges Rad
Den strengen Kloß, der von der Dürre borst.
Von ihrer Sichel sank das güldne Schwad,
Den Streichen ihrer Axt erlag der Forst.

Nicht spotte, Stolzer, ihr bescheidnes Los,
Ihr stilles Treiben, ihr geräuschlos Thun,
Ihr friedlich Leben, das so klar verfloß.
Laß unverhöhnt die Arbeitmüden ruhn.

Auch deiner harrt der ernste Augenblick,
Der, was die Schönheit, was die Macht dir gab,
Dein glänzend Elend, dein erträumtes Glück
Mit sich hinabreißt in das düstre Grab.

Den kompletten Text finden Sie im Band 3 der 1802 in Leipzig erschienenen Poesien auf Seite 48