Aufschwörungstafeln

Was ist ein Aufschwörungstafel?
GenWiki erklärt den Begriff Aufschwörung recht gut: Bewarb man sich um die Mitgliedschaft in einer adligen Korporation, um den Zugang zum Hof- und Verwaltungsdienst oder die Aufnahme in städtische Zünfte, musste eine Ahnenprobe vorgelegt werden. So findet das Wappen von Pommern den Weg in das Dreikönigsfenster des Kölner Doms, es gehört zur Ahnenprobe des Stifters Hermann von Hessen (1480-1508)

Jost Friedrich Ludwig von Stechow

Jost Friedrich Ludwig von Stechow

Klaus Graf schreibt dazu : “Die Ahnenprobe war der Nachweis oder die Darstellung der
Herkunft von vier, acht, sechzehn usw. adeligen Ahnen (Adelsprobe). Die vor allem im deutschsprachigen Raum bedeutsame Ahnenprobe war ein normatives Instrument der
Exklusion, das einen institutionellen oder genossenschaftlichen Binnenraum gegen unerwünschte Eindringlinge abschotten sollte. Bei der Ahnenprobe in Form der “Aufschwörung” mussten die Probanden und Zeugen eidlich die Herkunft (Adel und eheliche Geburt der Ahnen, oft kombiniert mit weiteren Eigenschaften wie Stiftsmäßigkeit,
Angehörigkeit zur Reichsritterschaft oder zur deutschen Nation) bekräftigen. “

Die in Form einer Vorfahrentafel auf ein Pergament aufgemalten Namen und zugehörigen Wappen wurden ausgehängt, um eine breite Prüfung zu ermöglichen.
Im Anschluss daran beschworen zwei Angehörige der gefragten Institution deren Richtigkeit und ebneten damit den Weg zu einer vollberechtigten Mitgliedschaft .
Aufschwörungstafeln sind aus vielen Gesellschaften überliefert, beispielsweise aus Aufnahmen in evangelische Stifte, Domkapiteln, Aufnahme in die Ritterschaft und z.B. auch bei dem Wunsch, in den Johanniterorden aufgenommen zu werden.

Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin liegen über 900 dieser Johanniteraufschwörungstafeln als gerollte Pergamente. Nur spezialisierte Restauratoren können sie entrollen, ohne die aufgedruckten Lacksiegel zu beschädigen. Die Restaurierung wurde mit Hilfe eines Fundraisingprojektes geplant.

Sven Kriese sprach über dieses Projekt auf dem Deutschen Archivtag 2012 (Abstract als pdf ) : “Diese – im vorliegenden Zustand nicht benutzbaren – Großurkunden waren dabei nicht nur als Elemente adliger und ordensgeschichtlicher Erinnerungskultur ins Gedächtnis der heutigen Mitglieder des Ordens zurück zu rufen, sie sollten auch als Bindeglied für eine Intensivierung der Beziehungen zwischen GStA PK und möglichen Deponenten aus dem Bereich des brandenburg-preußischen Adels fungieren, deren Angehörige vormals als Entscheidungsträger in Militär und Verwaltung des preußischen Staates wirksam waren. Über gezielte Kontaktaufnahme zum Orden und zu einzelnen Familienverbänden, über Informationsveranstaltungen, Vorträge, Führungen und kurze Veröffentlichungen sollten konkret solche Familien zu Geldspenden in Höhe von 300 Euro je Aufschwörungstafel gewonnen werden”
Dieser Schritt scheint gelungen, auf der Seite der Familie von Puttkamer findet man folgende Aussage: “Unter den Aufschwörungstafeln befanden sich auch 3 Tafeln in denen die Ahnenfolge von Mitglieder der Familie von Puttkamer beschworen wurde. Durch Spenden der Johanniter Mitglieder der Familie, konnte ein Beitrag zur Erhaltung dieser Tafeln geleistet werden.”  Auch der Johanniter-Orden machte auf das Projekt aufmerksam.

Inzwischen ist auch die Öffentlichkeit aufgerufen, sich am Erhalt der Tafeln zu beteiligen und eine Patenschaft zu übernehmen.

In der Auflistung der Tafeln und ihres Zustandes (pdf) sind viele Pommersche Adelsfamilien vertreten: Below, Damitz, Dewitz, Eickstedt, Flemming, Kameke, Kleist, Somnitz u.v.m. Ein Beispiel für eine solche Tafel zeigt die obige Abbildung. Vielleicht sind Sie ja auch daran interessiert, für eine dieser Tafeln eine Patenschaft zu übernehmen und das Digitalisat auf DVD zu erhalten?