Aus der Schwedenzeit der Insel Usedom

Ein Gastbeitrag von Hilde Stockmann

 

Die Schwedenzeit auf der Insel Usedom begann mit der Landung des Königs Gustav II. Adolf, und seinen Truppen im Jahre 1630 zur Mittsommerzeit. Sie dauerte auf unserer Insel durch Kriegsende und Erwerb durch Preußen bis zum Jahr 1720.

Welche Spuren sind aus dieser Zeit heute noch auf der Insel zu finden?

Wer sich ein wenig mit dieser Geschichte befasst, findet noch viele Hinweise auf diese Zeit. So können wir, dank Herrn Ulrich Knöfel aus Loddin und dem Heimatverein Loddin ein Kleinod aus dieser Zeit im Heimatmuseum im Bahnhof Kölpinsee bewundern.

Es ist eine prunkvolle, farbenprächtige hölzerne Grabtafel des schwedischen Oberst Joachim von Radecke, der am 18. Juni 1605 geboren, am 12. Juli 1687 verstarb. Jahrelang hing diese Tafel in der Kirche in Koserow. Als 1897 die Kirche eine Gewölbeerneuerung erhielt, wurde die Tafel auf den Dachboden des Pfarrhauses ausgelagert und geriet in Vergessenheit. Der Kölpinseer Lehrer Kurt Freyer hatte sich in Urkunden in Stettin im Jahre 1937 über das Leben des Oberst von Radecke informiert und forschte nach dem Verbleib der Grabtafel. Er fand sie immer noch auf dem Dachboden liegend und hinterließ eine ausführliche Beschreibung über die Tafel und das Leben des Obersts.

Diese Beschreibung, auf vier Seiten mit der Schreibmaschine geschrieben, machten Ulrich Knöfel neugierig, hatte doch die Familie von Radecke in Loddin (mit heutigen Ortsteilen Kölpinsee und Stubbenfelde) gelebt. Die Witwe durfte mit ihren beiden Töchtern, bis zu ihrem Tode im Jahre 1705, das Gut in Loddin bewirtschaften.

Er suchte und fand die Grabtafel im Jahre 2003, noch immer auf dem Dachboden des Pfarrhauses liegend, die schon 1937 als „…stark mit Würmern zerfressen…“ vom Lehrer Freyer beschrieben wurde. Herr Knöfel versuchte erst selbst in unzähligen Stunden die Tafel wieder ansehnlich zu gestalten, doch er merkte, diese Arbeit gehörte in die Hände eines Restaurators. So wurde das Werk in Berlin aufs Beste, wie das Foto zeigt, wieder hergestellt.

Seiner königl. Maj. zu Schweden
den treuen Man und Obrister zu Fuss, der wohl-
geboren Herr Joachim von Radeke auf
Möllkou, Crummin, Loddin und Neberg Erbherr ist

geboren den 18. Juny 1605 und im Herrn
selig verschieden den 12. Juli
1687

Nun kurz zum Leben des Joachim von Radecke: Er wurde in Mecklenburg geboren. Mit
23 Jahren, im Jahre 1628, also vor der Landung der Schweden auf Usedom, wurde er Fähnrich im schwedischen Regiment Axel Duwall und in kurzer Zeit wurde er zum Leutnant befördert. Er heiratete seine erste Frau Margarethe Stywerth. Durch seine Tüchtigkeit in den verschiedenen Schlachten wurde er 1642 Oberst, 1645 für seine treuen Dienste geadelt und unter Nr. 341 im schwedischen Ritterhaus geführt.

Nach dem 30jährigen Krieg, im Jahre 1652, wurden ihm von Königin Christine von Schweden die auf Usedom belegenen Güter Krummin, Mölchow, das Dorf Loddin und der Hof und zwei Katenteile Acker in Neeberg auf Lehnsrecht und pfandweise verschrieben. Außerdem bekam er die Anwartschaftsbriefe auf mehrere Güter in Bremen. 1655 starben seine Frau und sein Kind in Krummin. In zweiter Ehe heiratete er eine geborene von Technitz.

Joachim von Radecke, im Überblick:

Schwedischer Oberst

*  1605 in Mecklenburg
+ 1687 Loddin ?

1628 Fähnrich im schwedischen Regiment
1642 Oberst
1645 geadelt für treue Dienste
(Nr. 341 schwedisches Ritterhaus)
1652 erhält Güter in Krummin, Mölschow, Loddin,
sowie Katenteile und Acker in Neeberg

Als Joachim von Radecke 1687 verstarb, waren die beiden Töchter noch unmündig. 1693 erfahren wir aus einem Brief der Witwe an die königliche Regierung in Stettin, nachdem die schwedische Krone alle Güter wieder einziehen wollte, dass sie ohne das Gut in Loddin verarmen würde. Sie bittet, ihr doch dieses für sich und die Kinder, auf Grund der Verdienste ihres Mannes, zu belassen. Sie hatte Erfolg und konnte zeitlebens in Loddin bleiben.

Eine genaue Beschreibung des Ortes, sowie der gesamten Insel Usedom, haben wir durch die „Schwedenmatrikel“. Loddin wurde 1693 vermessen und dort wurde vermerkt, dass Frau Oberst 2 Pferde, ein Paar Ochsen, 12 Kühe, 300 Schafe und 10 Schweine hat. Sie hat einen Knecht und zwei Mägde. Mehr Dienstleute hat sie nicht nötig, weil die Bauern allen Dienst oder alle Arbeit leisten, die für Acker und Wiese benötigt werden.

Das Gut sollte nach dem Tode der Frau von Radecke auf 20 Jahre an einen Wolgaster verpachtet werden. Der Vertrag kam nicht zustande. 1715 wird die Insel von Preußen besetzt und schon 1716 wird Christian Sievert vom Amt Pudagla als Verwalter eingesetzt.

So wird uns ein Stück vergangener Zeiten lebendig, wenn wir diese farbenfrohe Grabtafel mit dem Schwan und der goldenen Krone um den Hals ansehen.

Gedanken zum Schwan: 1421 wurde ein Ort Culpin (Schwan) auf der Insel Usedom genannt. Noch auf der Lubinschen Karte im Jahre 1618 ist der Ort Colpin eingezeichnet, der im 30jährigen Krieg verwüstet wurde. Südlich davon liegt der Ort Loddin. In der Nähe der Ostsee, gibt es den Kölpinsee und um 1895 begann der Aufbau von Villen zum Badebetrieb im Ortsteil Kölpinsee rund um den See herum.

Die Witwe Anna Margaretha v. Radcken wird namentlich noch einmal 1693 in den Schwedenmatrikeln erwähnt, taucht aber im Kirchenbuch Koserow (das Kirchspiel umfasst bis heute Ückeritz, Loddin, Koserow und Zempin) nicht mehr auf.

Nur wenige Einträge gibt es im Kirchenbuch von den Töchtern, die als Patinnen genannt werden:

1687 Sophia Juliane Radken als 1. Taufpatin

1691 Eva Elleonora von Radken  als 2. Taufpatin

Im Jahr 1699 wird in Loddin Carl Wilhelm Hoffmann geboren. Seine Eltern sind Casp. HOFFMANN und Eleonora v. Radken

Leider habe ich Carl Wilhelm HOFFMANN in keinem weiteren Kirchenbuch finden können, um die Familie weiter zu erforschen.

Die Geschichte macht immer wieder neugierig: Was wurde aus den beiden Töchtern? Wer ist heute noch mit ihnen verwandt?

 

 

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