„… ausgewandert nach Amerika“

Ein Beitrag von Jennifer Blaut

 

Wie war das damals? Wie haben meine Verwandten in Pommern gelebt? Wo haben Sie gelebt? Oma erzählte doch immer so gerne von Rügenwalde.

Schon seit langem war meine Neugier geweckt und zum Glück habe ich die Seite „Pommerscher Greif“ gefunden! Die Bücher aus dem Standesamt Palzwitz sind auch schnell zu finden und zu meiner Freude fand ich einige Einträge meiner Familie. Ich bin Jahrgang 1983 und das Lesen der Sütterlin-Schrift war für mich jetzt die größte Herausforderung. Abend für Abend saß ich in unserem Arbeitszimmer und brütete über den Heiratsurkunden, Geburtsurkunden etc. Irgendwann hatte ich es ganz gut drauf und dann las ich in den Heiratsurkunden meines Ur-Großvaters und auch in der Heiratsurkunde seiner Schwester „ …  ausgewandert nach Amerika Anschrift unbekannt.“ Die Eltern sind ausgewandert. Und die Kinder wissen nicht wo die Eltern leben?  In meinem Kopf war ein riesiges Fragezeichen. Als Mama von zwei Kindern war das für mich unfassbar. Unfassbar traurig! Aber wieder wurde meine Neugier geweckt! Schaffe ich es herauszufinden wo meine Ur-Ur-Großeltern in Amerika gelebt haben?

Ich meldete mich bei „Ancestry“ an in der Hoffnung, dass es dort viele amerikanische Dokumente zum Forschen gibt. Lange blieb ich erfolglos. Ich hatte aber auch nur die Namen der beiden. Keine Geburtsurkunden. Nichts.

Irgendwann kam mir der Gedanke, dass die Namen ja auch völlig falsch geschrieben sein konnten. Gab es damals schon das Fach Englisch in den Schulen? Zu der Zeit sind Tausende Deutsche ausgewandert. Vielleicht waren es Massenabfertigungen bei denen gar nicht so genau auf die Schreibweise geachtet wurde. Ich blieb dran und nach einigen Wochen intensiver Recherche fand ich eine Passagierliste. Am 15.09.1873 sind Ferd. (für Ferdinand), Christine, August und Wilhelmine Hoffmeister, auf dem Schiff Columbus,  ab Bremerhaven, nach New York gereist. Das war ein unglaublicher Fund für mich! Aber wer ist Wilhelmine? Wer ist August? Haben meine Ur-Ur-Großeltern zwei Kinder mitgenommen und zwei zurück gelassen?

Ferd. Hoffmeister, New York, USA, Listen ankommender Passagier und Besatzungen (einschließlich Castle Garden und Ellis Island), 1820-1957, Jahr: 1873; Ankunft: New York, New York, USA; Seriennummer des Mikrofilms: M237, 1820-1897; Gesellschaft: 2; Listennummer: 981, Ancestry.com. New York, USA, Listen ankommender Passagier und Besatzungen (einschließlich Castle Garden und Ellis Island), 1820-1957 [database on-line]

Amerika ist groß. Ich hatte absolut keine Ahnung, wo ich jetzt mit der Suche beginnen sollte. Bis ich erstmal die Passagierliste gefunden hatte ist, schon viel Zeit vergangen. Ich konnte aber nicht einfach aufhören zu suchen. Es war einfach zu spannend!

Ich suchte jetzt nach verschiedenen Variationen der Namen. Hoffmeister mit nur einem „F“, Hoffmaster, etc. Ich suchte nach dem Namen Dettbarn, dem Mädchennamen meiner Ur-Ur-Großmutter. Ihr Name wurde tatsächlich zu „Deathborn“ umgewandelt!

Meine Schwester war mittlerweile auch im „Forschungsfieber“ und fand die  Sterbeurkunde unserer Ur-Großtante auf der der Mädchenname der Mutter angegeben war. Der Name Hoffmeister wurde zu „Huffmaster“. Die Tochter Wilhelmine war bei der Einreise auch nicht 5 Jahre alt, wie auf der Passagierliste angegeben, sondern 15 (wie das wohl passiert ist?) .

Jetzt fand ich immer mehr. Mein Glück war, dass es in den USA alle paar Jahre Volkszählungen gab. Auf einigen dieser Listen fand ich meine Vorfahren. Sie haben sich in Rose Hill, Cottonwood, Minnesota niedergelassen, mittlerweile als Fred Hoffmaiter. (Diese Listen sind übrigens sehr abenteuerlich, was die Schreibweisen der Namen angeht). Laut Liste hatte die Tochter Wilhelmine mittlerweile geheiratet und Kinder bekommen. Alle waren mit in dem Haushalt eingetragen. Natürlich musste ich direkt auf „Google Maps“ gucken, wo der Ort Rose Hill ist.

1880 – 1908. „Farming with horses, Rose Hill, Minnesota.“ Cottonwood County Historical Society, Accessed June 8, 2022. https://collection.mndigital.org/catalog/cotton:618

Leider weiß ich bis heute nicht, wer August Hoffmeister war und auch nicht, wo Christine Hoffmeister starb oder begraben wurde. Aber vielleicht finde ich das auch noch heraus. Dank der vielen veröffentlichten Dokumenten in Amerika habe ich auf Facebook die  Nachkommen meiner Ur-Großtante gefunden. Bisher weiß ich noch nicht so recht, ob und wie ich mich mal bei denen melden soll. Meinen Ur-Ur-Großvater zog es jedenfalls 1909, mit stolzen 80 Jahren, zurück in die Heimat. Ich habe die Passagierliste gefunden mit dem Zielhafen Stettin.

Ferdinand Hofmeister,Großbritannien und Irland, Listen ankommender Passagiere, 1878-1960, The National Archives of the UK; Kew, Surrey, England; Board of Trade: Commercial and Statistical Department and successors: Inwards Passenger Lists.; Klasse: BT26; Teilnummer: 380; Artikel: 16, Ancestry.com. Großbritannien und Irland, Listen ankommender Passagiere, 1878-1960 [database on-line].

Am 12.02.1910 ist er in Rügenwalde gestorben.

 

Ein Gedanke zu „„… ausgewandert nach Amerika“

  1. Hallo Jennifer, das Leben und besonders die Familienforschung bestehen aus unzähligen Zufällen. So auch hier, ich sehe den Namen Blaut. Hast du darüber nähere Informationen? Der Ursprung liegt in der Pfalz, erste Nachweise ab 1490, Lücken im Dreißigjährigen Krieg, dann lückenlos bis in die USA, Südamerika, Batschka, und Schlesien. Hier aber mit Fehlstellen. Einzelnachweise in fast alle Länder der Erde. Würde mich freuen, wenn du mir einige Infos geben könntest. Schreibweise in allen Variationen: Blauth, Blaut, Plauth, Plaut, Plaud, Blaud, Blaudt,
    Bisher hat noch jeder zu m grossen Clan gehört, egal wie die Schreibweise war. Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende
    Helmut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.