Brauchtum in Pommern zu Ostern

Wer sich wundert, warum die Oma aus Pommern in der Karwoche immer so eifrig geputzt hat, findet hier die Erklärung 🙂 Eine Zusammenstellung von Osterbräuchen in Pommern.

Ströme reinigenden Osterwassers

Osterwasser

Der Gang nach dem Osterwasser, Zeichnung von W.Stöwer (1) aus: Die Gartenlaube 1893

In Pommern war der Volksglaube der reinigenden und gesunderhaltenden Kraft des Osterwassers in besonders ausgeprägtem Maße verwurzelt. Als wundertätig, sogar als heilig galt zur Osterzeit jedes fließende Wasser. Ströme des reinigenden Elements, geschöpft in den Bächen und Flüßchen der Gemarkung flossen in der „stillen Woche” durch die Häuser. Alles sollte blitzen und sauber sein zum höchsten Fest der Christenheit, selbst das Vieh in den Ställen wurde gewaschen oder wenigstens. mit dem Osterwasser besprengt. Das am Ostermorgen vor Sonnenaufgang stumm und mit geputzten Gefäßen „gegen den Strom” geschöpfte. Wasser, das wortlos heimgetragen worden war, konnte als erster Trunk am Morgen Wunderkraft und segnende Wirkung haben. Wusch sich das junge Mädchen damit, wurde ihre Haut wie Samt und sie blühte in Schönheit und Gesundheit. — Die Burschen suchten die schweigenden Wasserholerinnen zu necken, zu erschrecken, damit sie juchzten oder lachten und dem Osterwasser damit die Wunderwirkung nahmen. Sie hatten sich mit wassergefüllten Gefäßen am Weg der Mädchen verborgen und spritzten oder gossen dieses mehr oder minder „segensreich” auf die Schönen.

In einzelnen Gemeinden war es am Ostertage üblich, daß sich Bauern und Gesinde, Eltern und Kinder gegenseitig heftig spritzten und oft ließen solche Gebräuche des Übermuts zum zweiten Male reinigende Wassermengen über die Fußböden in Haus und Stall fließen.

Die Peene

Die Peene hinter Demmin , Bild von Botaurus (Own work – 26 August 2007) [Public domain], via Wikimedia Commons

Eiertrudeln und Eierkullern

In einem schmalen Gebietsteil zwischen Peene und Ihna, im südlichen Teil des Kreises Demmin, an der Uecker und am Unterlauf der Oder war das auch I anderen Teilen Deutschlands bekannte Eiertrudeln oder -kullern als Osterbrauch bekannt. Die Kinder ließen hartgekochte Eier von einer Anhöhe hinunterrollen. Wurde ein Ei beschädigt oder brach entzwei, aß es der Besitzer sofort auf. Das Spiel ging solange, bis das letzte Ei zerbrochen war. In einer anderen Variante wurde das Kullern als Wettspiel ausgeübt. Die am Spiel beteiligten Kinder stellten sich in einer Reihe auf. Auf ein Startzeichen ließen sie die Eier rollen, und zwar so, daß das eigene Ei möglichst das eines anderen traf. Das getroffene Ei gehörte dann demjenigen, der es getroffen hat. In einem Bericht über das Eiertrudeln an den Wandenbergen nördlich Fiddichow heißt es: „Damit sich keiner das Fieber an den bloßen Eiern essen sollte, kriegte jeder Brot und Salz mit.”

 

Fiddichow

Fiddichow

Vom „Eierbicken” und „Osterwölfen”

In manchen Gegenden kannte man auch noch das „Eierbicken”. Auch dieses feierliche Spiel, bei dem zwei „Gegner” ihre hartgekochten „Ostereier” gegeneinander stießen, war bei den Jungen besonders beliebt. Derjenige der Spiel-Partner, dessen Ei bei dem „Bicken” heil blieb, bekam als Siegespreis das des Gegners.

Ein wirklich nur auf Pommern, und zwar auf wenige Gebiete in der Nähe von Stralsund, Greifswald und anderen Orten Vorpommerns und auf der Insel Rügen verbreiteter Brauch war das Backen von „Osterwölfen”. Vierhundert bis fünfhundert Jahre läßt sich diese Sitte in der pommerschen Geschichte der Volkskunde zurückverfolgen. Keinerlei Ostergebäck in Deutschland weist die Form der pommerschen „Osterwölfe” auf. (2)

 

Das Stiepen in der Morgenfrühe

Karl Hagemeister, Birken im Frühling

Karl Hagemeister, Birken im Frühling via Wikimedia Commons

Besonders bekannt und besondere Freude verbreitend war wohl neben dem Osterwasserschöpfen das „Stiepen”. In vielen pommerschen Häusern gab es in den frühen Morgenstunden ein heimliches Huschen und Laufen, wenn der Stieper nämlich seine versteckt gehaltene Stiep-Rute, ein paar dünne, mit Knospen besetzte Haselnuß-, Birken- oder Weidenreiser hervorholte, um den zum Stiepen Ausersehenen einen Besuch abzustatten. Mit Behendigkeit und Schadenfreude ging es in das Schlafzimmer des Opfers, dem die Decke weggezogen und unter Aufsagen des Stiep-Verses:

„Stiep, stiep Osterei!
Gibst du mir kein Osterei,
Stiep ich dir dein Hemd entzwei!”

 Einige mehr oder weniger leichte Schläge verabreicht wurden, bis der Betroffene einige Marzipaneier oder einen Schokoladenhasen hervorbrachte, um sich vor -weiterem Stiepen zu bewahren. Dann aber freuten sich Stieper und Gestiepter gleichermaßen.

Daß an dem Ostermorgen auf nüchternen Magen ein Apfel gegessen wurde, um das ganze Jahr gegen Krankheit und Fieber geschützt zu sein, und das die Kinder im Garten, auf den Feldern oder auch sogar im Walde sich ihre Ostereier suchten, ja daß bei den kleinen Kindern der Osterhase überhaupt im Mittelpunkt des Festes stand, braucht nicht besonders betont zu werden.

Ostern war das Fest der Fröhlichkeit, denn der Frühling zog nun über das Land, ließ die Früchte der Felder wachsen, zauberte bunte Farben in die Natur und ließ die Menschen hoffen. Hoffen wir, daß es auch in diesem Jahre wieder so kommen wird und bewahren wir an diesem Ostermorgen das Brauchtum unserer Heimat vor dem Vergessenwerden.

Quelle: “Pommersche Saat” Blätter für pommersche Kulturarbeit 14. Jahrg. 1961 Heft 1

(1) Willy Stöwer,  (* 22. Mai 1864 in Wolgast; † 31. Mai 1931 in Berlin) wurde als Marinemaler sehr bekannt.

(2) Siehe “Gibt es noch Osterwölfe in Pommern”?