Der jüdische Arzt von Schivelbein

Ein Beitrag von Julia Henke
zum
Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

 

„Einmal, erinnere ich mich, hatte Vater eine schlimme Kopfrose und nur mit Hilfe von Dr. Meyersohn aus Schivelbein hat der Vater überlebt.“

Ich habe großes Glück, dass die Erinnerungen meines Großonkels Max über den Alltag meines Urgroßvaters August Krüger als Schweinemeister in Teschenbusch erhalten sind. Über das Leben der Bauern auf einem pommerschen Gut wollte ich schreiben, hatte mich bereits durch Fachliteratur zur Schweinehaltung und zur Agrargeschichte Pommerns gewühlt, da blieb ich an diesem Satz hängen. Wer war wohl Dr. Meyersohn, dieser hilfreiche Arzt aus Schivelbein?

Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde: Dr. Siegbert Meyersohn war Jude. Er und seine Familie mussten Schivelbein in den dreißiger Jahren verlassen. Der Lebensretter meines Urgroßvaters wurde genau wie seine Frau Käthe und seine Tochter Eva in einem Konzentrationslager ermordet. Weiterlesen

Neuauflage des vergriffenen Sonderhefts „Der Kreis Cammin – Quellen und Einwohner“

Unser Mitglied Hans-Dieter Wallschläger hat das vergriffene Sonderheft „Der Kreis Cammin – Quellen und Einwohner“ überarbeitet und umfassend ergänzt. Das Heft liegt jetzt in 3. Auflage als Sonderheft 20 in der Reihe „Materialien zur pommerschen Familien- und Ortsgeschichte“ vor.

Es kann unter andre.marten@pommerscher-greif.de zum Preis von 20,00 EURO plus Versandkosten bestellt werden.

Der Quellenteil (Bibliographie) wurde durch viele neue Zitate erweitert. Die Ergänzungen betreffen u.a. die Weiterführung der Abschrift des Camminer Bürgerbuchs bis 1815 und die Aufnahme eines Kapitels zu den im Internet verfügbaren 16 Ortsfamilienbüchern über den Kreis Cammin. Im Unterschied zur ersten 2005 erschienenen Auflage mit 210 Seiten, umfasst die dritte Auflage jetzt 268 Seiten.

Sehr bedauerlich: GenPol und metryki.genbaza werden eingestellt!

Tomasz Nitsch, der Betreiber der Seiten Genpol.com und metryki.genbaza.pl hat die Einstellung beider Websites zum 3. März 2022 angekündigt!

Eine Entscheidung, die wir außerordentlich bedauern. Damit stehen Digitalisate von Kirchenbüchern und Standesamtsurkunden auf unbestimmte Zeit auch für Pommernforscher nicht mehr zur Verfügung.

Wir hoffen, dass besonders die Digitalisate schnell wieder (an anderer Stelle) zur Verfügung gestellt werden können.

Vielen Dank Tomasz Nitsch für die vielen Jahre Ihres Engagements!

Dziękujemy Tomaszowi Nitschowi za wieloletnie zaangażowanie!

Hier der ins Deutsche übersetzte Wortlaut:

„3. März 2003: Dies ist der Tag, an dem es begann, und 3.3.22 wird es enden.

Ich habe mich mehrmals entschlossen, aber immer hat mich jemand oder etwas von diesem Weg abgebracht. Dieses Mal ist es jedoch die endgültige Entscheidung. Ebenfalls 19 Jahre nach dem Start von GenPol wird die Website eingestellt, und mit ihr auch die damit verbundenen Dienste wie metryki.genbaza.pl.

In dieser Zeit hat sich viel getan. In vielen Bereichen war GenPol ein Vorreiter und darauf bin ich sehr stolz. Lange Zeit hatte GenPol das aktivste Diskussionsforum. Viele Jahre lang hatten wir mehr digitale metrische Ressourcen als jedes andere Archiv in Polen, einschließlich des NAC. Und was besonders wichtig ist: GenPol war viele Jahre lang ein Ort, an dem sich Freundschaften gebildet haben, Gruppen von Menschen, die zusammenarbeiten. Die Jahrestagung war für viele sogar die einzige Gelegenheit, Genealogen aus anderen Teilen des Landes zu treffen.

All dies dank der netten Atmosphäre und der vielen positiven Menschen. Dank der großartigen Arbeit vieler Freiwilliger, die Fotos in den Archiven aufnehmen und sie kostenlos im Internet zur Verfügung stellen. Dank an diejenigen, die gerne geben und nicht nur nehmen.

Aber das Leben schreitet unaufhaltsam voran. Die genealogischen Gesellschaften haben an Stärke gewonnen, viele sehr interessante Initiativen sind entstanden. Ich möchte nur die Treffen in Brzeg erwähnen, die mit ihrer Größe und Professionalität zu einem unübertroffenen Vorbild für andere Veranstalter wurden und sogar die GenPol-Geburtstage weit hinter sich ließen. Die Archive, darunter auch AP, haben eine sehr solide Finanzierung erhalten und mit großem Engagement begonnen, Digitalisierungs- und Zugänglichkeitsprojekte für metrische Ressourcen durchzuführen.

Ich weiß, ich kann nicht mehr alles aus meiner eigenen Tasche finanzieren. Sie können Mittel aufbringen und weiterarbeiten. So endete zum Beispiel mein letzter Versuch, den Dienst vor einem Jahr einzustellen. Damals habe ich zum ersten Mal um Unterstützung gebeten, und in kurzer Zeit kamen etwa 6500 PLN zusammen, was ausreichte, um den Server für eine lange Zeit zu bezahlen. Tatsache ist jedoch, dass ich mit dem Zufluss neuer Ressourcen die Serverressourcen weiter ausbauen muss und immer häufiger und für größere Beträge um Hilfe bitten müsste. Es genügt zu sagen, dass sich allein die Gebühren an OVH (Servermiete, Domaingebühren) in den letzten zwei Jahren auf 30 023 PLN beliefen. Gleichzeitig erhielt ich Spenden in Höhe von 11 859 PLN, und ich danke allen Spendern sehr, sehr herzlich.

Aber die Kosten für Server sind nur ein Teil des Themas. Denn – und das muss man offen zugeben – alle GenPol-Websites hinken immer mehr hinter den besten IT-Lösungen hinterher. Oftmals verursachte das System, das die Metriken verwaltete, Probleme bei der Registrierung oder bei der Erinnerung an das Passwort. Wir hatten auch eine ganze Reihe von Angriffen auf unseren Server. Mit jedem Jahr, das verging, wurde es schwieriger, einen Programmierer zu finden, der bereit war zu helfen. Und das ist nicht einmal mehr eine Frage des Geldes. Und die Beantwortung von immer mehr „Es funktioniert bei mir nicht, warum?“-E-Mails nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Oft war diese Kommunikation auch äußerst unangenehm.

Das Leben mag kein Vakuum. Als ich die Menschen, die mir am nächsten stehen, über meine Entscheidung informierte, begannen viele von ihnen, intensiv an alternativen Lösungen zu arbeiten. Die erste Priorität dieser Aktivitäten wird es sein, die metrischen Ressourcen verfügbar zu machen, die nur auf metryki.genbaza.pl verfügbar sind, z.B. die Ressourcen des AP Gdańsk. Wir arbeiten derzeit zusammen, und wenn nötig, werde ich diese Initiativen entweder mit meinem Wissen oder finanziell unterstützen. Wenn man den heutigen Stand der Dinge realistisch einschätzt, bin ich davon überzeugt, dass diese Ressourcen ständig im Internet verfügbar sein werden. Wahrscheinlich unter einer neuen Adresse und in einem anderen System, aber sie werden es sein.

Ich werde mehr über dieses Thema schreiben. Sie können auch einige Erinnerungen an die Gewinner der Genealogie des Jahres, an Personen, die GenPol mitgestaltet haben, und an die Spender der letzten Zeit erwarten.

Bleiben Sie in Kontakt.

Mit freundlichen Grüßen, Tomasz (Tomek) Nitsch“

(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)

Familiengeschichtliche Quellen für die Insel Rügen

Ein Beitrag von Norbert Wewezer

 

Dieser Beitrag soll etwas über familiengeschichtliche Quellen, außerhalb der Kirchenbücher, für die Insel Rügen, aufzeigen. Da kämen also in Frage: Landesaufnahmen, Volkszählungen, Steuerlisten, Einwohnerlisten, Bürgerbücher, Jährliche Abgaben – wie Kornzehnt, Gänsezehnt usw. welche verzeichnet wurden, des weiteren Untertanenlisten, Brand-Akten, Stammrollen, Auswandererlisten, Reisepässe usw. man könnte die Aufzählung noch weiterführen.

Karte: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 240-242., zeno.org, Gemeinfrei

Bleibt die Frage: Was ist noch vorhanden und wo findet man solche Unterlagen? Und welcher Personenkreis kommt in welchen Akten vor?

Bei Landesaufnahmen geht es hauptsächlich um die Ländereien. Es werden dann aber auch deren Besitzer und Pächter bei größeren Liegenschaften auch die Verwalter genannt. Die Bewohner ohne Besitz oder Pacht werden nicht erwähnt. Ebenso verhält es sich mit den Steuerlisten. Es werden nur die Besitzer und Pächter von Ländereien und Immobilien zu Steuern herangezogen. Alle anderen werden nicht erwähnt. Wie z. B. die Bauern und Arbeiter auf den Gutshöfen. In den Listen wo die vielschichtigen Kirchenabgaben verzeichnet sind, werden die Namen der Familienvorstände genannt. Wie auch meistens in den Einwohnerlisten, manchmal wird die Anzahl der Familien-mitglieder genannt. Bei den Volkzählungen werden dann auch die Namen der Ehefrauen und der Kinder genannt. Dann haben wir noch die Brandakten wo dann die Betroffenen genannt werden. Stammrollen verzeichnen die Militärpflichtigen und Auswanderer erklärt sich von selbst. Weiterlesen

Ein Geschenk vom Nikolaus

Der Nichterreichbarkeit eines Zeitungsportals am vergangenen Wochenende ist es zu verdanken, dass ich das älteste Rätsel meiner Ahnenforschung endlich lösen konnte. Was für ein wunderbares Nikolausgeschenk!

Weil jeder Ahnenforscher nachempfinden kann, wie man sich da fühlt, erzähle ich heute gerne davon.

Hier erst einmal eine ganz kurze Zusammenfassung über das, was mir bisher in dieser Linie bekannt gewesen war:

1987, als ich mit der Ahnenforschung begann, bekam ich Notizen meines Opas in die Hände, die er zum Ausfüllen eines arischen Nachweises gemacht hatte. Dabei befand sich ein Brief seines Vaters (meines Urgroßvaters), den dieser ihm 1937 geschickt hatte. Daten seiner Vorfahren aus Westpreußen:

Ich heiße Johann Bieschke, geb. am 23.5.1880 in Schönwalde, Kreis Neustadt, WPr., kath.

Mein Vater: August Bieschke ist geb. 6.11.1843 in Schönwalde, Kreis Neustadt, WPr., kath.

Meine Mutter Barbara Bieschke geborene Pionke ist geb. am 4.12.1846 in Steinkrug, Kreis Neustadt, WPr., kath.

Es folgen noch Daten zu seinen Großeltern und Urgroßeltern väterlicherseits.

In den mikroverfilmten Kirchenbüchern fand ich damals die Taufe meines Urgroßvaters. Ich fand die Heirat seiner Eltern, die Taufe seiner Mutter (ihr Geburtsdatum stimmte aber nicht mit dem im Brief genannten Datum überein), Daten seiner Geschwister. Aber ich suchte mir die Augen blutig nach dem Taufeintrag meines Ururgroßvaters August Bieschke und dessen im Brief genannten Vorfahren. Nichts! Die Angaben in dem Brief stimmten nicht! Weiterlesen

Gefallene des 1. Weltkriegs der Stadt Usedom – eine Zusammenfassung

Foto: Wikipedia, Sebastian Wallroth – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

In seinem Artikel Gefallene des Ersten Weltkriegs der Stadt Usedom, Sedina-Archiv[1], Heft 3/2019, Mitteilungsblatt des Vereins Pommerscher Greif, hat Klaus-Dieter Kreplin zwei Quellen miteinander verglichen und tabellarisch zusammengestellt. Weiterlesen

DNA-Matche aus den USA helfen bei der Überwindung eines toten Punktes

Ein Beitrag von Jürgen Löffelbein

 

Wer sich mit DNA-Genealogie und DNA-Matchen beschäftigt hat, kennt das Problem, Matchpartner gibt es fast nur in Amerika und die haben häufig keinen, nur einen sehr kurzen, fehlerhaften oder gesperrten Stammbaum.

In meinem folgenden Beispiel möchte ich zeigen, wie ich ein solches Problem lösen konnte. Dabei geht es nicht um meine pommerschen Vorfahren, sondern um die schlesischen meiner Frau. Sie ist eine geborene Molter. Ihre Eltern und Molter-Großeltern wurden in Breslau geboren.

Durch noch vorhandene Adressbücher ist bekannt, dass ihr Ur-Großvater Johann Molter um 1890 nach Breslau gekommen und dort um 1923 gestorben ist. Bekannt ist noch, dass sein Sohn, der Großvater meiner Frau,1891 in Breslau geboren wurde. Durch den vorhandenen StA-Eintrag kennen wir nur die Namen seiner Eltern. Da die StA-Unterlagen von Breslau sehr unvollständig sind, konnte ich keinen Heirats- oder Sterbeeintrag von den Urgroßeltern finden und damit auch keine Angaben über Geburtsort, Geburtsdatum oder Alter bekommen. Somit ein toter Punkt im Stammbaum. Beim Stammbaum meiner Frau ist das Problem, dass es dort weitere tote Punkte um ca. 1890 gibt, uns darum viele mögliche Familiennamen vor dieser Zeit für eine Zuordnung von Matchen fehlen. Damit ist nicht bekannt, nach welchen Familiennamen gesucht werden soll. Weiterlesen

DNA hilft bei der Familienforschung – Rätsel nach 131 Jahren gelöst

Ein Beitrag von Jürgen Löffelbein

 

Mein Großvater von der mütterlichen Seite wurde 1890 als Oskar Willi Max Neitzel in Birkenwalde bei Groß Sabow im Kreis Naugard geboren. Seine Mutter hieß Elsbeth Neitzel. In Oskars Geburtseintrag war kein Vater angegeben. Als Oskar 10 Jahre alt war, heiratete seine Mutter in Stettin den Spänefabrikanten Hermann Emil August Grabs und Oskar bekam auch den Nachnamen Grabs. Bisher war ich mir zu 99 % sicher, dass sein neuer Vater nicht sein leiblicher Vater ist. Als ich meine Mutter und auch ihre Schwestern darauf ansprach, bekam ich nur die Antwort: „Darüber wurde früher nicht gesprochen“.

Um Oscars leiblichen Vater zu finden, habe ich im Jahr 2019 mit meiner damals 99-jährigen Mutter und ihrer 94-jährigen Schwester bei Ancestry einen DNA-Test gemacht. Durch mehrere Erfolg versprechende Matche habe ich versucht, Informationen über den leiblichen Vater zu sammeln und hatte seinen Geburtsort und mögliche Familiennamen schon eingegrenzt.

Ich habe von mir, meiner Mutter und ihrer Schwester einen DNA-Test, denn damit kann man selektieren. Wenn ich ein Match habe, aber meine Mutter nicht, kann ich gleich erkennen, dass die Verbindung über die väterliche Seite ist. Da meine Mutter eine Generation weiter zurück liegt, komme ich auch eine Generation weiter in die Vergangenheit.

Im Juli dieses Jahres konnte ich endlich das Rätsel lösen. Weiterlesen