Registrierte Selbsttötungen 1945 in Güstrow

Massensuizide gab es in den letzten Kriegstagen in ganz Deutschland, vor allem im Osten. Der bekannteste Massensuizid fand in Demmin statt. In der DDR war das Thema jahrzehntelang ein Tabu, die genauen Opferzahlen sind bis heute nicht bekannt. [1]

Ein Mitglied des Greifs fand nun das interessante Forschungsprojekt „Die kampflose Übergabe Güstrows im Jahr 1945“ der Stadt Güstrow in Mecklenburg.

Rathaus Güstow, Foto: Schiwago, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

In der Anlage 2, kurz „Registrierte Selbsttötungen 1945 im Bereich des Standesamtes Güstrow“, werden hunderte Namen mit der festgestellten Art der Selbsttötung aufgeführt, z. B. Selbstmord durch Vergiftung, Ertrinken, Erhängen, Erschießen, Pulsaderschnitt. Ein grausames Kapitel deutscher Geschichte.

Unter den Namen befinden sich auch zahlreiche Pommern! In der Regel sind die Vor- und Zunamen enthalten, woher die Person ursprünglich stammte, wann und wie ums Leben gekommen und außerdem die Nummer der Sterbeurkunde. Gibt es Fußnoten (am Ende der Datei befindet sich eine umfangreiche Annotation!) werden noch mehr Daten, teilweise auch Geburtsdaten genannt.

Da ist zum Beispiel die Familie Heiden aus dem Kreis Greifenhagen: Eheleute Hans (im Sterberegister des Standesamtes als „angeblicher Polizeibeamter“ ausgewiesen) und Emma mit ihren Kindern Margret, Anneliese und Annegret (geboren am 29. November 1944), sowie dem Pflegekind Christa (geboren am 27. Dezember 1938), die alle am 4. Mai 1945 den „Freitod durch Erhängen“ fanden.

Diese Liste ist ein weiteres nachahmenswertes Beispiel, wie offen Gemeinden mit einem unangenehmen Kapitel der Vergangenheit umgehen können.

Diese Liste dürfte für einige Pommernforscher Lücken schließen, die nach dem Verbleib ihrer Angehörigen nach der Flucht aus Pommern suchen!

Ein weiteres Beispiel für die Recherche haben wir vor ein paar Monaten vorgestellt, die Flüchtlingslisten aus Ribnitz-Damgarten.

Haben Sie ähnlich interessante Entdeckungen zum Verbleib von Pommern nach der Flucht 1945 gemacht? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

 

 

[1] https://www.bpb.de/mediathek/290178/ueber-leben-in-demmin

 

Die Siebenbachmühlen bei Stettin

Mühlensagen aus Pommern

von Prof. Dr. A. Haas

Die Siebenbachmühlen bei Stettin

In der Wussower Forst nordwestlich von Stettin liegen die sogenannten Siebenbachmühlen, ein seit alter Zeit beliebter Ausflugsort der Stettiner. Ihren Namen hat die Ortschaft von den sieben Wassermühlen erhalten, die dort früher vom Wasser der klingenden Bäk getrieben wurden; jetzt ist der Mühlenbetrieb eingegangen. Die einzelnen Mühlen haben jede ihren besonderen Namen; doch rechnen manche zu den eigentlichen Siebenbachmühlen auch noch die eine oder andere der ehedem weiter unterhalb an der Klingenden Bäk gelegenen Mühlen hinzu, und infolgedessen sind die Namen der einzelnen sieben Mühlen nicht ganz feststehend. Bei Temme heißen Sie: Malzmühle, Kückenmühle, Kuckucksmühle, Sursacksmühle, Motgebermühle, Klappermühle und Obermühle; bei Berghaus heißen sie Klappmühle, Bergmühle, Muthgebermühle, Poplinen oder Popillon, jetzt gewöhnlich Papillonsmühle (im Jahre 155? Popplionmühle) Sauersacksmühle, Kuckucksmühle und Steinfurther Mühle. Von diesen Mühlen geht die folgende Sage um:

Die Mühlen 1693

Die Lage der Mühlen, Ausschnitt aus der schwedischen Matrikelkarte von 1693

 

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Der Elefant in Treptow an der Rega – Trzebiatów

Ein Leser auf Facebook wies uns auf einen Artikel in der Ostseezeitung über eine Elefantenskulptur in Grevesmühlen hin, die damals (Der Elefant in Grevesmühlen wurde 2007 aufgestellt.) anlässlich einer geplanten Städtepartnerschaft mit Treptow an der Rega – Trzebiatów – errichtet wurde. Die OZ schreibt: „Wobei die Frage, was eine Kommune in Polen mit einem Elefanten zu tun hat, schon damals niemand so recht beantworten konnte.”

Lieber Redakteur, mit etwas Recherche hätte man das ganz schnell klären können . Weiterlesen

Die Begräbnisstätte der Familie Quistorp in Stettin

Ein Beitrag von Łukasz Jaszczyk

 

Die seit Jahrhunderten bekannte Familie Quistorp hatte zweifelsohne einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Städte und Unternehmen Pommerns an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Besonders verdienstvoll war die Figur des Johannes Quistorp für Stettin im heutigen Vorpommern. Ihm ist es zu verdanken, dass Investitionen und Gebäude entstanden sind. Daraus schöpfen wir bis heute. Der anerkannte Philanthrop und Unternehmer stiftete ausgedehnte Grünflächen, aus denen der spätere Quistorp-Park, heute bekannt als Park Kasprowicz, entstand.

Auf dem von Quistorp zur Verfügung gestellten Grundstück an der Deutschen Straße/Wielkopolska 15 wurde ein Gebäude des Gymnasiums gebaut. Die Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Szczecin hat hier ihren Sitz. Weiterlesen

Rentensicherung per Notarvertrag

Ein Beitrag von Hilde Stockmann

 

Erst ein Gesetz vom 22. Juni 1889, welches die Einführung ab 1. Januar 1891 vorsieht, brachte eine gesicherte Rente. Dies war durch die Bismarcksche Sozialreform möglich geworden. Dabei wurde die Rente erst ab dem 70. Lebensjahr gezahlt. Im Jahre 1916 wurde der Anspruch auf eine Rente auf 65 Jahre herabgesetzt.

Wie sicherten sich aber die Menschen vor dieser Zeit ab? Aus Zempin ist uns ein Beispiel durch den Erbteilungs-Rezess des Bauern und Schulzen Martin Lüder geb. 08.02.1797, gest. 09.12.1865 mit Gültigkeit vom 01. Oktober 1863 bekannt. Weiterlesen

Wer ist „Lina Viek 1920“?

In dem Blogbeitrag vom 31. Januar 2021 habe ich den kurz zuvor von der Gruppe Denkmal Pomorze im Eckerberger Wald nahe beim Kurhaus entdeckten Findling mit der Aufschrift Lina Viek 1920 erwähnt.

Der Findling war von der Gruppe gesäubert, die Inschrift nachbearbeitet und vor Ort für alle sichtbar wieder aufgestellt worden. Wem dieser Stein gewidmet war, blieb unklar. Es gibt nur eine einzige alte Karte, auf der dieses Denkmal nördlich vom Kurhaus Eckerberg, der ehemaligen Wasserheilanstalt eingezeichnet ist. Sie stammt aus dem Jahr 1921: Weiterlesen

Der Nordkurier berichtet über das Projekt Herrenhauszentrum

Schlösser und Herrenhäuser rund um die Ostsee sind immer wieder besondere Ausflugsziele. Bisher fehlte ein grenzübergreifender Überblick.

Gut Boldevitz auf Rügen, Foto by Einmeier – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27926368

Der Nordkurier berichtet in seiner Ausgabe vom 22.03.2021 über das geplante Projekt “Herrenhauszentrum”.

Artikel: Herrenhäuser-Nordkurier-20210322

In diesem Pilotprojekt wollen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Greifswald schrittweise die Schlösser und Herrenhäuser fast aller Ostseeanrainer auflisten, dokumentieren und im Internet publizieren.

Im Artikel wird auch ein Projekt des Pommerschen Greif erwähnt, dass in Kooperation mit der Historischen Kommission für Pommern entsteht – Eine Internetseite über Schlösser und Herrenhäuser in Pommern:

www.gutslandschaft-pommern.de

Ausgewählte historische ostdeutsche Heimatsammlungen in Nordrhein-Westfalen

Ein Beitrag von Uwe Kerntopf

 

Seit 2016 nimmt unser Leiter der Stolper Heimatstuben Karl-Heinz Dudszus an den Workshops zu ostdeutschen Heimatsammlungen und -stuben der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen teil.

Die Kulturstiftung ist sehr aktiv und zielführend in ihren Aktionen. So besuchten sie an mehreren Tagen im Februar 2020 die Heimatstube in Bonn-Auerberg um ausgewählte Exponate zu fotografieren, zum Teil im 3D-Verfahren. Das Projekt „Virtuelle Heimatstube“ wird im Internet unter https://ostdeutsche-heimatsammlungen.de gezeigt, u.a. mit einem virtuellen Auftritt der Stolper Heimatstube in Bonn-Auerberg.

Mit der für die Heimatsammlungen zuständigen Kunsthistorikerin Birgit Aldenhoff hatten wir schon vor ihrer Anstellung bei der Kulturstiftung einen angenehmen Kontakt.

Leider findet der 360°-Einblick in die Sammlung nur im Eingangsflur statt. Wer sich auch darüber hinaus einen Einlick in die weiteren Räumlichkeiten verschaffen will, folgt dem virtuellen Rundgang unter https://www.youtube.com/c/StolperLande.

Auch der Zutritt für Besucher erfolgt in den Corona-Maßnahmen-Zeiten nur virtuell. Wir folgen den Maßnahmen, die in NRW für Museen gelten. So durften wir 2020 die geplanten Öffnungstage im April, Mai, November und Dezember nicht durchführen, in 2021 ebenso im Januar, Februar und März.

Seit Dezember bieten wir virtuelle Besuchstermine, begrenzt auf jeweils maximal 50 Minuten, an. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen. Im kommenden Stolper Heft 2021 sind ein paar Reaktionen nachzulesen.

Der nächste reguläre Öffnungstag der Stolper Heimatstube ist für den 10. April geplant. Aufgrund der aktuellen Situation kann sich das aber auch kurzfristig ändern. Anmeldungen sind zur Zeit unbedingt erforderlich! Weitere Infos finden Sie unter Stolper Heimatstube Bonn-Auerberg.