Reise durch Pommern (5) – Das Rummelsburger Bergland

Die Kreise Rummelsburg und Bublitz sind am dünnsten bevölkert in ganz Pommern; sie zählen nur 30 Einwohner auf 1 qkm. Weit zerstreut liegen die einzelnen Gehöfte, umgeben von Kirsch- und Apfel, seltener von Pflaumen- und Birnbäumen. An einer Seite reckt ein einfacher Ziehbrunnen seinen langen Winkelarm in die Höhe und gegenüber liegt der aus Tonpatzen aufgebaute Backofen. Jedes Dorf bildet hier so ziemlich ein eigenes Reich. Ist auch das Land vielfach Sandboden und erscheint es dem Reisenden oder Wanderer, der die Hauptwege benutzt, als einförmige Heide, so hat doch gerade dies Gebiet seine besonderen Reize.

Wer von einer Bergkuppe Umschau hält, blickt auf ein Meer von dunklen Wipfeln, das die Tiefen wie Höhen des Landrückens ausfüllt. Nach allen Seiten entströmen ihm wasserreiche Flüsse in tiefeingesägten Gründen. Es ist ein Plateau mit steinbesäten Feldern und bewaldeten Bergkuppen, mit blauen Seen und dunklen Mooren, ein Land, das ein alter Kenner Pommerns mit den wildromantischen Hochflächen Schottlands vergleicht.

Von der Kreisstadt Rummelsburg, in der die Bewohner vorzugsweise Ackerbau und Viehzucht betreiben, daneben aber auch Arbeit in der Tuchindustrie finden, kann man schöne Ausflüge in die Umgebung machen. Hervorragend schön sind die Ufer der Stadtwaldseen und des Schampensees. Von hier geht man auf Waldwegen über Rohr zum “Hohen Ufer” und dem “Bärengrund” nach Friedrichshuld. Rüstige Fußgänger können im Mattik’schen Gasthofe übernachten und die Lange’sche Damastweberei besichtigen. Kleiner Ausflüge führen auf den 240 m hohen Burgwallberg, zum Stüdnitzsee, ins Peierzigtal oder in das Stiednitztal. Der Papenzinsee mit seinen Inseln bietet ein liebliches Bild tiefsten Friedens. 

Pollnow ist überaus reizvoll im Grabowtal gelegen und von bergigen Wäldern umgeben. Das Schloß erblickt man auf dem Wege vom Kleinbahnhof zur Stadt. Der Ausflügler wird sich vor allem an dem herrlichen Walde – den Varbelower Bergen – erfreuen. Die Höhen sind bis gegen 200 m hoch und bieten geradezu wunderbare Aussichten. Für gute Fußgänger, die Zeit haben, lohnt sich ein Ausflug über die Walkmühle nach Groß-Reetz in die wenig bekannten sehr sehenswerten Barenberge.

Treblin hat ziemlich gleiche Entfernung von den Städten Rummelsburg, Bütow, Stolp und Schlawe. Vom Kirchberg (118 m) blickt man auf das Dorf hinab, in der Ferne erblickt man hinter dem Wald Teilde der Dörfer Poberow, Zettin, Starkow und Sellin. Schöne Spaziergänge führen durch den Zettiner Wald, in die Heide bei Wussowke und nach Wolfsherberge, durch Kiefern- und Tannenwald, sehr lohnend.

Alles, was den Reiz einer Landschaft ausmacht, findet man in Varzin in verkleinertem Maßstabe wieder: Tal und Hügel, Teich und Bächlein, Wiese und Quelle, Moor und Sumpf. Menschenhand hat wenig daran geändert, die Natur hat ihre Reize verschwenderisch darüber ausgestreut.

Bublitz, 1917, via zeno.org, gemeinfrei

Bublitz im oberen wiesenreichen Gozeltale mit seinen zum Teil bergigen Straßen, hat Kanalisation und ist elektrisch beleuchtet, was immerhin ein Vorzug für ein Landstädtchen ist. Der Wanderer wird nicht versäumen, einen Gang durch und um das freundliche Städtchen zu machen. Eine 2 1/2 stündige Wanderung führt uns auf der scharf nach Norden gerichteten Guster Chaussee über Gust nach Zeblin durch eine Landschaft, die das Volk mit dem Ausdruck “Bucklige Welt” zutreffend bezeichnet.

Quelle: Pommersches Wanderbuch, Hrsg. Verkehrs-Verband für Pommern und die Insel Rügen, bearbeitet von F. Uecker, Stettin, 1914, online bei Książnica Pomorska (zusammenstellung KF)

 

 

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