Der rote Faden – Stralsund

Chor der Kirche des Katharinenklosters in Stralsund - Fritz Rackow - Linolschnitt

Chor der Kirche des Katharinenklosters in Stralsund – Fritz Rackow – Linolschnitt
aus: Unser Pommerland 1929

Hermann Hoogeweg, bis 1923 Leiter des Staatsarchivs Stettin,  beschreibt in einem Artikel, der 1928 in den Baltischen Studien erschienen ist,  “Die Entstehung des Stralsunder Stadtarchivs”. Da mich dieses Thema Stralsund derzeit nicht mehr loslässt,  war ich natürlich neugierig und fand erstaunlich viele Parallelen zur heutigen Situation,  die sich seit der Vergangenheit wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen.

Unordnung: Schon 1760 fand man das Archiv “so in confusion und Unordnung, daß es nicht schlechter sein könne” und beauftragte die Herren Engelbrecht und Zander als Syndici mit der Ordnung.  Sie beendeten diese Arbeit Anfang 1722 und erhielten dafür jeweils 100 Rtl. als Remuneration.
Außerdem wurde angeordnet, dass die Fensterleuchte repariert werden, so daß die Akten vor Regen und Unwetter geschützt werden.  Auch in späteren Jahren wird immer wieder die fehlende Ordnung beklagt. Erstmalig wurde eine Person quasi als “Archivar” 1795 eingestellt, Rudolf Gülich,  der als erstes einen Bericht über das “Ganz verworrene Archiv” einreichte.

Geheimniskrämerei: Auch Heimlichkeiten gab es damals schon. Die schwedische Einrichtungskommission wollte z.B. 1767 die Belege sehen für Präsente an verdiente Persönlichkeiten, woraufhin der Rat erklärte, das diese delikate Angelegenheit nicht für die Öffentlichkeit bestimmt wäre. Es wurde eine Kommission eingesetzt und es gab scharfe Auseinandersetzungen um den Zutritt zum Archiv, der letztendlich aber doch gewährt werden musste.

Feuchtigkeit : Dr. Carl Ferdinand Fabricius, der sich um die Ordnung des Archives hohe Verdienste erworben hatte  stellte bei einem Besuch 1885 Feuchtigkeit fest, das führte dazu, dass die Bestände zwei Jahre später umzogen.

1927 war aufgrund der fleissigen Tätgkeit Dr. Fritz Adlers allerdings nichts an der Archivführung auszusetzen, Hoogeweg, der dort selbst gearbeitet hat, um die Handschriften und Miscellanea neu zu verzeichnen, berichtet von schönen und praktischen Räumen, vereinigt mit der Stadtbibliothek.

Sie können den gar nicht trockenen Artikel von Hoogeweg online lesen bei der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern: “Die Entstehung des Stralsunder Stadtarchivs”

M.Ott