Die falsche Grabsteingravur

Recht früh stieß ich bei der „Bestandsaufnahme“ meiner Familienforschung auf ein altes Foto. Zuerst wusste ich nicht, wer das sein soll, mein Vater meinte damals nur: “Irgendein Marten“.

Nach kurzer Recherche stellte ich fest, dass das Bild vom Friedhof in Ziegenort, Kreis Ueckermünde stammt und es zeigt den Grabstein meines Ururgroßvaters dem Landwirt August Marten, das Bild dürfte so um 1921 entstanden sein.

Von einer Cousine meines verstorbenen Großvaters, also einer Enkelin von August Marten erfuhr ich, dass er in den letzten Wochen des ersten Weltkrieges verwundet worden und im „Krankenhaus in Greifswald“ gestorben sei. Zur Beerdigung hat man dann den Leichnam nach Ziegenort überführt.

Natürlich: Solche Angaben bedürfen der Überprüfung!!!

Großvaters Cousine behielt Recht, es stimmte: Mein Ururgroßvater starb im Universitätsklinikum Greifswald, das besagte der Sterbeeintrag des Standesamtes Greifswald.

Gott sei Dank sind auch die Ziegenorter Kirchenbücher erhalten geblieben. Er wurde tatsächlich dorthin überführt und bestattet.

Aber Halt: Da stimmte doch etwas nicht?

Auf dem Grabstein steht doch klar und deutlich: + 9.9.1918!

Tja, aber im Sterbeeintrag stand: Gestorben am 09. Oktober 1918 und dies wurde am
10. Oktober 1918 angezeigt, man hatte ja nur eine Woche Zeit für die Sterbefallanzeige.

Wer hatte nun Recht?

Im kirchlichen Mitteilungsblatt „Heimatglocken Ziegenort“ fand ich ebenfalls eine Sterbeanzeige mit dem Datum: 09. Oktober 1918.

Auch das Kirchenbuch schreibt klar und deutlich: + 09. Oktober 1918.

Es gibt keinen Zweifel, dass das Datum auf dem Grabstein schlichtweg falsch ist.

Was ist passiert?

Hatte sich der Steinmetz vertan?

Hat die Witwe ein falsches Datum angegeben?

Leider kann es mir, nach so langer Zeit, niemand mehr beantworten. Es bleibt ein Geheimnis, was mit ins Grab genommen wurde.