Die Siebenbachmühlen bei Stettin

Mühlensagen aus Pommern

von Prof. Dr. A. Haas

Die Siebenbachmühlen bei Stettin

In der Wussower Forst nordwestlich von Stettin liegen die sogenannten Siebenbachmühlen, ein seit alter Zeit beliebter Ausflugsort der Stettiner. Ihren Namen hat die Ortschaft von den sieben Wassermühlen erhalten, die dort früher vom Wasser der klingenden Bäk getrieben wurden; jetzt ist der Mühlenbetrieb eingegangen. Die einzelnen Mühlen haben jede ihren besonderen Namen; doch rechnen manche zu den eigentlichen Siebenbachmühlen auch noch die eine oder andere der ehedem weiter unterhalb an der Klingenden Bäk gelegenen Mühlen hinzu, und infolgedessen sind die Namen der einzelnen sieben Mühlen nicht ganz feststehend. Bei Temme heißen Sie: Malzmühle, Kückenmühle, Kuckucksmühle, Sursacksmühle, Motgebermühle, Klappermühle und Obermühle; bei Berghaus heißen sie Klappmühle, Bergmühle, Muthgebermühle, Poplinen oder Popillon, jetzt gewöhnlich Papillonsmühle (im Jahre 155? Popplionmühle) Sauersacksmühle, Kuckucksmühle und Steinfurther Mühle. Von diesen Mühlen geht die folgende Sage um:

Die Mühlen 1693

Die Lage der Mühlen, Ausschnitt aus der schwedischen Matrikelkarte von 1693

 

Vor alter Zeit hatte der Rat der Stadt Stettin die Mühlen bauen lassen  und als sie fertig waren sind die Ratsherren hinausgefahren, um sie zu besehen und ihnen Namen zu geben. Bei der ersten Mühle sagten sie. „Eine muss doch Malz mahlen!“ denn sie dachten zuerst an das gute Bier, dass sie später da draußen trinken wollten, und nannten sie Malzmühle. Die zweite Mühle hatte wenig Wasser; da sprachen Sie „Die ist für die Kücken, sie soll Kückenmühle heißen!“ Bei der dritten hörten sie einen Kuckuck schreien, die nannten sie die Kuckucksmühle. Auf der vierten Mühle empfing sie die Wirtin unfreundlich; da nannten sie die vierte Mühle die Sursacksmühle. Auf der fünften wurden sie dagegen freundlich und aufmunternd d.i. motgeberisch, aufgenommen, da nannten sie diese die Motgebermühle. Bei der sechsten wollten die Räder gar nicht stille stehen; da sprachen sie „Das ist die Klappermühle“. Die letzte endlich, die am höchsten am Berg lag, wurde die Obermühle genannt.

Schmetterlingsmühle

Siebenbachmühlen bei Stettin, Schmetterlingsmühle, Foto vor 1920

Nach einer anderen (mündlichen) Fassung der Sage gingen die Stadtväter eigens zu dem Zwecke hinaus, um die neuangelegten Mühlen zu benennen, und sie gaben jeder einzelnen Mühle einen Namen nach dem Eindruck, den sie bei der Besichtigung an Ort und Stelle empfingen. Zuerst kamen sie zur Papillonsmühle, und als sie unfreundlich aufgenommen wurden, nannten sie sie „die Sauersacksmühle“. Die nächste Mühle nannten sie die Mutgebermühle, weil sie hier eine bessere Aufnahme fanden und ihr Mut wieder gehoben wurde. Da die nächste Mühle bei ihrer Ankunft gerade klapperte, nannten sie sie Klappermühle oder Klappmühle. Als sie weiter gingen, hörten sie den Kuckuck rufen und deshalb nannten sie die folgende Mühle die Kuckucksmühle. Die letzte Mühle wurde wegen ihrer hohen Lage die Obermühle genannt.

Brüggemann I S. 167, Temme Nr. 147 (=Jahn  Nr. 668) Berghaus II 2 S. 1536f.
An letztgenannter Stelle findet sich auch Angaben über die ehemaligen Besitzverhältnisse der Mühlen. Nach Wehrmann: Gesch. Stettins S. 223 erwarb die Stadt Stettin 1549 die Bergmühle, 1550 die Popplionmühle und 1552 die Kuckucksmühle.

Quelle der Fotografie: https://zbc.ksiaznica.szczecin.pl/dlibra/show-content/publication/edition/2559?id=2559

Quelle der Karte:https://dhm.uni-greifswald.de/jpegMaps/AI7.jpg

Der Text stammt aus: Pommersche Heimat, Monatsbeilage zum pommerschen Genossenschaftsblatt, 5. Jahrgang (1916) , Nr. 12