DNA hilft bei der Familienforschung – Rätsel nach 131 Jahren gelöst

Ein Beitrag von Jürgen Löffelbein

 

Mein Großvater von der mütterlichen Seite wurde 1890 als Oskar Willi Max Neitzel in Birkenwalde bei Groß Sabow im Kreis Naugard geboren. Seine Mutter hieß Elsbeth Neitzel. In Oskars Geburtseintrag war kein Vater angegeben. Als Oskar 10 Jahre alt war, heiratete seine Mutter in Stettin den Spänefabrikanten Hermann Emil August Grabs und Oskar bekam auch den Nachnamen Grabs. Bisher war ich mir zu 99 % sicher, dass sein neuer Vater nicht sein leiblicher Vater ist. Als ich meine Mutter und auch ihre Schwestern darauf ansprach, bekam ich nur die Antwort: „Darüber wurde früher nicht gesprochen“.

Um Oscars leiblichen Vater zu finden, habe ich im Jahr 2019 mit meiner damals 99-jährigen Mutter und ihrer 94-jährigen Schwester bei Ancestry einen DNA-Test gemacht. Durch mehrere Erfolg versprechende Matche habe ich versucht, Informationen über den leiblichen Vater zu sammeln und hatte seinen Geburtsort und mögliche Familiennamen schon eingegrenzt.

Ich habe von mir, meiner Mutter und ihrer Schwester einen DNA-Test, denn damit kann man selektieren. Wenn ich ein Match habe, aber meine Mutter nicht, kann ich gleich erkennen, dass die Verbindung über die väterliche Seite ist. Da meine Mutter eine Generation weiter zurück liegt, komme ich auch eine Generation weiter in die Vergangenheit.

Im Juli dieses Jahres konnte ich endlich das Rätsel lösen.

Für meine Mutter, mehr als bei ihrer Schwester und mir, wurde ein neuer DNA-Match bei Ancestry angezeigt. Unser Matchpartner hatte auch einen Stammbaum hinterlegt und der beinhaltete eine Person, die mich sofort aufmerksam machte: Marie Dorothee Wilhelmine Grabs, geboren am 14.04.1832 in Grimnitz, Joachimsthal, Barmin, Pommern.

Dieser Match konnte kein Zufall sein, denn der Schwiegervater meiner Urgroßmutter Elsbeth Neitzel, Friedrich Wilhelm Efraim Grabs, war am 29.09.1827 in Grimnitz, Joachimsthal, Barmin, Pommern geboren.

Ich habe bei Archion recherchiert, das Kirchenbuch von Grimnitz durchsucht und festgestellt, dass unser Matchpartner (ein Gastwirt in Berlin, der dort in 5. Generation einen Gasthof betreibt) und ich gemeinsame Ur-Ur-Ur-Großeltern haben und das damit der Vater meines Großvaters auch sein leiblicher Vater sein muss.

Dieser Match dürfte Corona zu verdanken sein, denn durch die dadurch bedingten starken Einschränkungen hat mein neuer Cousin 4.Grades, als beruflich noch stark geforderter selbständiger Geschäftsmann, erst Zeit für die Familienforschung. Er hat sich im Januar bei Ancestry angemeldet, dort einen Stammbaum eingegeben und den DNA-Test gemacht.

Wir haben 50 % unsere DNA vom Vater und 50 % von der Mutter. Und unsere Mütter bzw. Väter haben auch 50 % der DNA von ihrem Vater und 50 % von ihrer Mutter. Wie viel % sie davon jeweils an ihre Kinder weiter geben ist zufällig. Wir haben somit nicht jeweils 25 % von unseren 4 Großeltern, sondern zwischen 0% und 50%, z.B. (12% + 38%) + (27% + 23%), (Großvater + Großmutter väterliche Seite) + (Großvater + Großmutter mütterliche Seite). Geschwister können somit zwischen 0 und 100% der DNA gemeinsam haben (0 bzw. 100% im Extremfall).

Den DNA-Unterschied bei Geschwistern kann ich bei meiner Mutter und ihrer Schwester gut erkennen. Bei meinem Beispiel der gemeinsamen Grabs-Ur-Ur-Ur-Großeltern hat meine Mutter eine Übereinstimmung von 50 cM, ich 24 cM und meine Tante 23 cM mit unserem in Berlin ermittelten neuen Verwandten.

DNA-Tests sind im Gegensatz zu den USA und Kanada in Deutschland noch relativ selten. Und auch wenn man ein Match mit größerer Übereinstimmung hat, hilft der nicht weiter, wenn der Matchpartner keinen oder nur einen sehr kurzen Stammbaum hat, bzw. darin nur nach 1900 geborene Personen sind. Es ist deshalb wichtig, einen gut gefüllten Stammbaum mit weit zurück reichenden Generationen mit seinem DNA-Ergebnis zu verbinden, damit Vergleiche möglich sind und gemeinsame Vorfahren gefunden werden können.

Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil ich damit deutsche Familienforscher ansprechen möchte, einen DNA-Test zu machen. Denn bisher ist es leider so, dass man fast nur Matche bekommt, wenn man Auswanderer in seinem Stammbaum hat.

Die DNA-Genealogie ist ein nicht ganz einfaches Thema, eröffnet aber als Ergänzung zur herkömmlichen Familienforschung neue Möglichkeiten.

Ein Gedanke zu „DNA hilft bei der Familienforschung – Rätsel nach 131 Jahren gelöst

  1. Dazu kann ich berichten, dass ich auch einen DNA-Test gemacht habe und im Stammbaum einer Person, mit der ich DNA teile, nur er selbst, seine Mutter und seine Grossmutter mütterlicherseits waren. Allerdings wusste ich, dass die Grossmutter eine Enkelin der nach Amerika ausgewanderten Schwester meines Urgrossvaters war. Als ich ihn kontaktierte, war die Antwort verblüffend: Seine Mutter kannte nur den Namen ihrer biologischen Mutter und hatte keine weiteren Informationen! Diese konnte ich dann ganz umfangreich liefern.

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