Familienforschung (in Pommern) ist „uncool“ ?  Von wegen ! 

Der folgende Beitrag unseres Mitglieds André Marten erschien in der Pommerschen Zeitung, Folge 20 vom 15/16. Mai 2015.

Der Pommersche Greif e.V., Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte vertritt die Interessen der pommerschen Familien-, Orts-, Namens-, Siegel- und Wappenforscher. Er bündelt und koordiniert Forschungsaktivitäten für die historische Region Pommern (Vor- und Hinterpommern). Interessierte finden im Pommerschen Greif sachkundige familien- und ortsgeschichtliche Ansprechpartner für die pommerschen Kreise und Städte. Jeder kann sich mit seinen Fragen an diese wenden. Der Pommersche Greif e.V. wird ab sofort in lockerer Folge an dieser Stelle Artikel und Beiträge von Mitgliedern und Freunden zum Thema Familienforschung einstellen. Der Verfasser bzw. die Verfasserin stellt sich den Lesern der Pommerschen  Zeitung in der nebenstehenden Spalte vor.

 

Andre Marten

Andre Marten, Uetersen. Bisheriger Höhepunkt: Ein Familientreffen in Kalifornien.

Der Verfasser: André Marten, Uetersen 

Ich bin 34 Jahre alt und betreibe diese wunderbare Leidenschaft der Ahnensuche seit 1995. Bei vier in Pommern geborenen Großeltern mit Wurzeln in den Kreisen Randow, Arnswalde, Dramburg, Saatzig, Regenwalde, Deutsch-Krone und Cammin lag es natürlich nahe, dem Pommerschen Greif e.V. beizutreten. Pommersche Linien gehen aber auch wiederum nach Brandenburg, Schlesien, Sachsen, Böhmen, Mähren, Österreich und über meine neu entdeckten Pfälzer Kolonisten auch Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, so dass ich in einigen Linien bis weit in das 16. Jahrhundert zurück gelangen konnte. Über dieses Hobby kam ich dann tatsächlich zu meinem Beruf: Erst machte ich eine Lehre im Verwaltungsdienst, heute bin ich mit großer Freude einer von vier Standesbeamten in unserer Rosen- und Hochzeitsstadt Uetersen im Kreis Pinneberg. Auch wenn ich nicht in Pommern geboren bin, so fühle ich mich der Heimat meiner Vorfahren doch eng verbunden.

Wie ich zur Familienforschung kam.  

Herbst 1993. Mit meinen Eltern war ich im Dänemark-Urlaub, ich damals noch als Teenager. Heimgekehrt von dieser schönen Reise mussten wir zu Hause feststellen, dass ein extrem schlimmer schleswig-holsteinischer Herbststurm uns einen Wasserschaden im Haus bereitet hatte. Dies war der Start dieses begeisternden Hobbys. Es war ein regelrechter Dachbodenfund, der eine alte Stahlkassette mit vielen Unterlagen und Bildern zu meinen Vorfahren zum Vorschein brachte. Schon meine Urgroßeltern lebten dort und genau von deren Eltern waren dort alte Dokumente „versteckt“ worden.

Lust und das Interesse packten mich, …ob es wohl noch mehr zu finden gibt ?  Wie sieht es denn in der Familie von meiner Mutter aus ? Was wissen die Erfahrenen in unserer Familie noch alles ? Ich dachte, dass ich ein paar Monate brauchen würde, um alle Fragen zu klären, aber die paar Monate dauern nun schon 21 Jahre an und ich bin noch lange nicht fertig. Es war erhabend, die Großeltern und deren Geschwister zu befragen, die Freude, etwas aus der alten Heimat erzählen zu können. Beide Großeltern-Paare wurden in Pommern (in Stolzenhagen, Kreis Randow und Arnswalde), geboren, also steht Pommern natürlich im Mittelpunkt meiner Forschungen.

Familienforschung ist aber weit mehr, als nur Daten zu sammeln: Es bedeutet eigenes Bewusstsein, deutsche Geschichte anhand der eigenen Familie zu erleben und viele Erfahrungen zu sammeln. Viele Orte habe ich deswegen zwischenzeitlich bereist und mein Höhepunkt in der Genealogie war mit Abstand ein großes Familientreffen in Kalifornien/USA im Jahre 2013.

Ohne die Familienforschung, wäre das nie geschehen.

Familienforschung also uncool ?  Von wegen. Im Laufe der Jahre aber merkte ich, dass es gut ist, Kontakt zu anderen Forschern zu erhalten, zwecks Erfahrungsaustausch, zwecks Wissensansammlung. Der Pommersche Greif e.V. bot mir da eine gute Gelegenheit, Mitglied zu werden. Auch wenn ich Vorfahren in anderen Gebieten wie Schlesien, Westpreußen, Sachsen, Brandenburg und Österreich aufweisen kann, liegt doch der Schwerpunkt in Pommern.

Seit 2002 bin ich dort Mitglied und seit 2013 sogar Beisitzer im Vorstand des Greif. Der Pommersche Greif e.V.  hat die Besonderheit, dass es für jeden der Kreise im damaligen Pommern  einen eigenen Ansprechpartner gibt. Seit diesem Jahr unterstütze ich den langjährigen Betreuer und Ansprechpartner für den Kreis Regenwalde, Siegfried Hannemann, da dieser etwas kürzer treten muß. Und wieder ist ein neuer Aufgabenbereich dazugekommen und man ist immer mehr mit der Familienforschung verbunden. Hervorheben möchte ich die alljährlichen Treffen bei der Jahreshauptversammlungen des Greif, wo Mitglieder aus allen Teilen des Landes zusammenkommen. Es ist immer wieder eine große Wiedersehensfreude und der rege Erfahrungsaustausch über eventuell neu gefundene Quellen oder neu eingestellte Digitalisate von Kirchenbüchern und Standesamtsregistern führen letzlich dazu, dass der Schlaf an diesen Wochenenden zu kurz kommt.

Immer wieder bin ich von tiefer Ehrfurcht ergriffen, wenn ich sehe, woran meine Groß- und Urgroßeltern bei der Vertreibung dachten: Familienstammbücher, alte Bilder, Dokumente, Zeugnisse… Fast alles hatte die Flucht überstanden, auch weil es teilweise am Körper festgeklebt wurde. Alles musste mit, obwohl man insgeheim wusste, dass es keine Rückkehr geben würde…

Allein diese Tatsache verpflichtet uns, all das in Erinnerung zu behalten und – soweit möglich – an die nächste Generation weiterzugeben. Auch wenn sich die Kinder oder Enkel nicht so sehr dafür interessieren, in der Generation der Urenkel wird es bestimmt jemanden geben, der sehr dankbar dafür sein wird, dass es jemanden gab, der alles dokumentiert hat. Ich kann es jedem nur empfehlen – eine Taufe, eine Hochzeit oder Konfirmation können ein guter Anlass dafür sein – die Familiengeschichte aufzuschreiben…. und – wer weiß – vielleicht bleibt man auch dabei.

André Marten

 

Ein Gedanke zu „Familienforschung (in Pommern) ist „uncool“ ?  Von wegen ! 

Kommentare sind geschlossen.