Greif in Greifswald

Ein gut besuchtes und mit interessanten Vorträgen und Ausflügen gespicktes Wochenende in Greifswald auf dem Seminar des Pommerschen Greif ist vorbei. Die Stadt verwöhnte uns mit Sonnenschein aber der Jahreszeit entsprechenden Temperaturen und das Hotel mit leckeren Speisen und Getränken.  Das persönliche Kennenlernen von den Gesichtern hinter den “Internetadressen” und viele nette und informative Begegnungen und Gespräche neben den gesetzten Terminen rundeten das Seminar ab. Da es geplant ist, die Vorträge als Tagungsband zu veröffentlichen, werde ich hier die Themen nur kurz anreißen.

Den Auftakt am Freitagabend machte Wulf von Restorff:  „Über den Umgang mit genealogischen Nachlässen“ Er berichtete auch den derzeitigen Erkenntnisstand einer AG im DAGV  (Deutsche Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände), die sich zu diesem Thema gebildet hat. Eine zentrale Aussage: Nachlässe müssen vorbereitet werden, damit sie genützt werden können und der rechtliche Rahmen ist zu berücksichtigen. Sowohl Nachlässe in Papierform als auch der digitale Nachlass in Form z.B. einer gedcom-Datei wurden bei seinen Ausführungen berücksichtigt.

Wulf von Restorff

Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff

 

 

Dr. Dirk Alvermann

Dr. Dirk Alvermann

Dr. Dirk Alvermann, Leiter des Universitätsarchivs Greifswald berichtete am Samstagmorgen, auf die  Interessen von Familienforschern zugeschnitten, über einige interessante Archivalienarten in seinem Archiv. In seinem spannenden Vortrag stellte er die Matrikel, die Stipendiatenakten, Fleißlisten (der Professoren) und die Bursenrechnungen vor. Unbekannte neue Quellengattungen im universitären Bereich wurden durch ihn interessant bebildert und beschrieben. So war beispielsweise eine Burse eine Kammer im Dachgeschoß der Universität, die man mieten konnte und die gelegentlich wegen Pesterkrankung des  Vormieters gesperrt war.

Pfarrer i.R. Friedrich Bartels

Pfarrer i.R. Friedrich Bartels

Pfarrer Bartels, ehemaliger leitender Mitarbeiter der pommerschen Diakonie,  zeigte die Anfänge und die weitere Entwicklung der Inneren Mission in Pommern auf, die oft mit den Namen  einzelner Personen wie Wichern und Quistorp verbunden war. Zahlreiche bekannte Anstalten und Fürsorgeeinrichtungen wurden gegründet, unter den bekannteren die Kückendorfer Anstalten bei Stettin und die Diakonissenanstalt Salem in Köslin. Pfarrer Bartels zeigte die Verdienste dieser diakonischen Einrichtungen, klammerte aber auch die dunklen Seiten der Massendeportation  und -hinrichtung von Patienten dieser Anstalten unter den Nationalsozialisten und das Erschießen von Diakonissen auf der Flucht nicht aus. Einen Einblick kann man auch durch seine Homepage  http://grieppommer.de gewinnen.

Am Samstagnachmittag teilte sich die Gruppe der Seminarteilnehmer auf, eine Hälfte hatte sich einer  Stadtführung durch Greifswald angeschlossen und die zweite Gruppe einer Führung durch das Pommersche Landesmuseum, bei freundlichem aber kaltem Wetter die deutlich besser Alternative. Hierüber an anderer Stelle.

Die Teilnehmer bei der Stadtführung

Die Teilnehmer bei der Stadtführung, Foto Andre Marten

Den Sonntag leitete Ulrich Wegener mit der Beschreibung ein, wie er seinen genealogischen Nachlass geregelt hat.

Ulrich Wegener

Ulrich Wegener

Der absolut rüstige 77Jährige hat sich vernünftigerweise schon Gedanken gemacht, wer das Material, das schon von seinem Großvater und dann dem Vater gesammelt wurde, weiter betreuen soll. In der direkten Verwandtschaft gibt es leider keine Interessenten. Mag man seiner Verfahrensweise vielleicht auch für sich selber nicht komplett folgen wollen, so waren seine Gedanken doch sehr interessant und anregend. Den Appell, den Nachlass vorzubereiten, hatte er mit Herrn von Restorff am Vortag gemein.

 

Christian Boose

Christian Boose

Nach meinem eigenen Vortrag über das Finden und Benutzen von Digitalisaten im Internet kam dann der flammende Aufruf von Christian Boose zur Erstellung von Ortsfamilienbüchern. Er erklärte ausführlich, wie es geht und regte an, als nächstes Projekt das Kirchenbuch Labes, das der Verein kürzlich an das Evangelische Zentralarchiv zurückgeben konnte, zu bearbeiten. Interessenten können sich gerne bei ihm melden. (Mailadresse)

Volles Haus in Greifswald

Volles Haus in Greifswald

Über den weiteren Verlauf muss vielleicht jemand anders berichten, da ich dann leider schon abreisen musste.

Für das nächste Jahr ist unser Treffen im Raum Berlin, evtl. mit Besuch eines Berliner Archivs, angedacht, das fand im Rahmen der Mitgliederversammlung breite Zustimmung.

Margret Ott

Update mit Dank an Dieter Wallschläger:

Es wurde zu verschiedenen Projekten vom “Greif” Stellung genommen.
– Das Müller-Projekt, von K.-D. Kreplin koordiniert, hat sich aus verschiedenen Gründen nicht weiter entwickelt. Der 1. Vorsitzende wird mit den Stolper Forschern, die sich intensiv um die Erfassung der Müller im östlichen Teil Pommerns befassen, Kontakt aufnehmen und über eine evtl. Kooperation beraten.
– Ein neues Projekt soll sich mit der Erfassung von pommerschen Scharfrichtern befassen. Mit einem daran interessiertem Mitglied wird Kontakt aufgenommen werden. Die Mitglieder werden aufgerufen, alle Daten zu Scharfrichtern weiter zu leiten. Eine Mitteilung dazu wird demnächst in der Greif-L erscheinen.
– Der “Greif” wird monatlich einen Beitrag zur Familienforschung in der “Pommerschen Zeitung” veröffentlichen. Dazu werden wir eine Liste der geplanten Veröffentlichungen und der verantwortlichen Autoren erstellen. Die Koordination erfolgt in gegenseitiger Absprache durch Peter Jahnke und Henry Kuritz. Als erste Themen sind angedacht Ahnenforschung im Internet und OFB. Diese sollen sich auf die Vorträge in Greifswald beziehen.
– Zum Aufruf des 1. Vorsitzenden in der MV bezüglich der Unterbringung von Bibliothek und Archiv in Vorpommern gibt es erste Rückmeldungen. So haben mehrere Mitglieder ihre Bereitschaft erklärt, tageweise im Archiv zu arbeiten, um die Weiterführung der Erfassung und die Nutzung zu Forschungszwecken zu ermöglichen. Weiterhin wird mit den Behörden vor Ort Kontakt aufgenommen, um die Raumfrage zu klären.

Der 1. Vorsitzende beendete das erfolgreiche Seminar mit den besten Wünschen an die Teilnehmer für eine angenehme Heimreise.