Greif Seminar 2018 in Bochum und Herne

Viele Mitglieder hatten den Vorstand immer wieder darum gebeten, doch  ein Seminar mehr in der Mitte Deutschlands zu veranstalten. So suchten wir für dieses Jahr die Nähe zur Martin Opitz Bibliothek und fanden mit dem EBZ in Bochum ein geeignetes Tagungshotel. Leider war aber die Teilnehmerzahl diesmal deutlich geringer, so dass wir im nächsten Jahr wieder planen, nach Pommern zu gehen.

Der Tagungsort

Der Tagungsort

Die äußeren Rahmenbedingungen  – Verpflegung, Getränke, Räumlichkeiten waren ideal.

Hans-Jakob Tebarth

Hans-Jakob Tebarth

Die Tagung begann am Freitagabend mit der Vorstellung der Martin Opitz Bibliothek durch deren Leiter Hans-Jakob Tebarth. Diese Bibliothek wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Im Jahr 2017 fanden ausgedehnte Umbaumaßnahmen statt, die das Platzangebot durch ein neues Regalsystem verbesserten, trotzdem ist der Raum knapp, da auch immer mehr ostdeutsche Heimatstuben im Rahmen ihrer Auflösung ihre Bestände in Herne anbieten. So hat z.B. die Sammlung Belgard-Schivelbein, ehemals Celle, hier eine neue Heimat gefunden.

Heinz Radde

Heinz Radde

Den Samstag eröffnete unser Mitglied Heinz Radde mit einen spannenden Vortrag unter dem Titel “Bayonetas Internacionales” über den Cousin seines Vaters, Herbert Dobersalske (1908-1943) aus Borntuchen, Kreis Bütow, der als Kommunist nach Moskau beordert wurde und von dort aus als Mitglied einer Internationalen Brigade in Spanien gegen Franco kämpfte. Erst durch die Öffnung mancher russischer Archive (RGASPI und RGWA) konnte das Schicksal diese jungen Mannes erhellt werden. So könnten sich auch für die Klärung anderer Schicksale neue Wege eröffnen.

Auf besonders lebhaftes Interesse traf die Vorstellung der neuen Personendatenbank des Greif, Arbeitstitel Greif Index, durch Danilo Beiersdorf. Enthalten sind bereits 740000 Datensätze, vorwiegend aus dem Indexierungsprojekt Staatsarchiv Köslin, aber auch aus anderen online verfügbaren Quellen. Mit dem schönen Beispiel einer facebook-anfrage (Suche Frau Dramburg in Pommern um 1900) konnte Danilo anschaulich darlegen, wie hilfreich dieses neue Datenbank sein kann. Sie wird vorerst in der Beta-test-phase nur den Mitgliedern des Vereins im geschützten Bereich der Webseite zur Verfügung gestellt.

Danilo Beiersdorf

Danilo Beiersdorf

Harald Müller-Baur stellte danach Archion vor. Durch den Import der hinterpommerschen Kirchenbücher aus dem Landeskirchlichen Archiv in Greifswald vor kurzem hat diese kostenpflichtige Seite ja inzwischen auch für die Forschung in Pommern an Bedeutung gewonnen. Neben Greifswald sind vor allem Bücher aus dem EZAB von Bedeutung für unser Forschungsgebiet.

Harald Müller-Baur

Harald Müller-Baur

Zum Abschluss eines Vormittags voller Informationen stellte Georg Palmüller vom Ahnenforscherstammtisch Unna und auch Mitarbeiter in der genealogischen Forschungsstelle der LDS in Dortmund die Forschungsmöglichkeiten mit Hilfe der Webseite familysearch.org vor. Als profunder Kenner der vielfältigen Möglichkeiten auf dieser Webseite zum gewünschten Suchergebnis zu kommen und auch Sekundärliteratur zu finden, konnte er viele hilfreiche Tipps geben.

Georg Palmüller, Bild Nancy Myers

Georg Palmüller, Bild Nancy Myers

Das war ein voller und sehr intensiver Vormittag!

Am Samstagnachmittag folgte dann ein Ausflug zur Besichtigung der Martin Opitz Bibliothek. Bernhard Kwoka führte durch die Räume und erzählte über die technische Austattung und die Pläne z.B. für die weitere Digitalisierung. Wie schrieb ein Teilnehmer: “alle sind begeistert, eine tolle Exkursion.”

Klaus Dieter Kreplin

Klaus Dieter Kreplin

Sonntag morgen sprang unser Ehrenmitglied Klaus-Dieter Kreplin freundlicherweise kurzfristig für einen ausgefallenen Vortrag ein. Sein Thema: Der Planungsstand einer Müller- und Mühlendatenbank für Pommern. Anschaulich schilderte er die vielfältigen Probleme, aus unstrukturierten Angaben in beispielsweise früheren Publikationen ein Erfassungsschema für eine Datensammlung zu entwerfen.

Hochkarätig ging es weiter: Dr. Thekla Kluttig stellte die Zentralstelle für Genealogie in Leipzig, jetzt Referat 33 des sächsischen Staatsarchives vor. Digitalisierung der Findbücher, Kooperation mit Familysearch zu DDR-Zeiten, aktuelle Projekte gemeinsam mit dem Verein für Computergenealogie, klamme Mittel, Personaleinsparungen, Suchstrategien und Benutzungsmöglichkeiten sind nur einige Schlagwörter aus dem lebhaften Vortrag von Frau Kluttig.

Ganz anders ist die Archivarbeit in den nordrhein-westfälsichen Personenstandsarchiven, die Ulrich Bartels vorstellt. Hier geht es neben der Bewahrung der Überlieferung, die sich im Rheinland aus historischen Gründen von der in Westfalen unterscheidet, auch um die Anpassung an die Erfordernisse der neuen Technik, z.B. die digitalen Personenstandsregister.

v.l.n.r. Klaus Kohrt, Ulrich Bartels, Thekla Kluttig

v.l.n.r. Klaus Kohrt, Ulrich Bartels, Thekla Kluttig

Im anschließenden Podiumsgespräch konnten einige weitere Fragen aufgenommen und diskutiert werden, z.B. wie sich die Archive in Gegenüberstellung zu kostenpflichtigen Anbietern wie Archion und Ancestry sehen.

Es hat sich rundum gelohnt!

 

Ein Gedanke zu „Greif Seminar 2018 in Bochum und Herne

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