Historisches Plattdeutsch in Vorpommern

Ein Beitrag von Klaus-Dieter Kreplin

 

Der Heimatverband MV e.V. ist sehr aktiv bei der Pflege des Plattdeutschen mit dem Schwerpunkt wie es heute sich darstellt. Siehe hierzu die Webseiten https://www.heimatverband-mv.de/.

Er führt auch immer regelmäßig Veranstaltungen zur (Wieder-)Belebung des Plattdeutschen durch, siehe auch https://www.heimatverband-mv.de/unsere-themen/runde-tische-plattdeutsch.html.

Mancher fragt sich: Warum ist es nötig plattdeutsch „wiederzubeleben“ und „am Leben zu erhalten“? Wieso ist „plattdeutsch sprechen“ nicht natürlich in einer einst vollständig plattdeutsch sprechenden Gegend? Es wird immer wieder die Frage gestellt, wie und wann es dazu kam, dass nach der Zeit der Hanse, in der Niederdeutsch nicht nur die Sprache des Volkes sondern auch die Verkehrssprache war, das Nieder- oder Plattdeutsche so weit zurückgedrängt wurde, dass man heute große Mühe investieren muss damit es nicht ganz ausstirbt.

Hierzu hat Vorpommern einen wesentlichen – leider nicht immer im notwendigen Umfang gewürdigten – Beitrag geleistet in den Arbeiten des Anklamer Gymnasiallehrers Dr. Johannes Weygardus Bruinier 1, meist im Anklamer Heimatkalender erschienen. Es ist mir ein Anliegen seine Arbeiten wieder in der Öffentlichkeit präsent zu halten.

Neben einer Untersuchung der von ihm zumeist transskribierten Quellen des 15.- 17. Jahrhunderts
– Anklamer Stadtbuch 1401-1474 2,
– Anklamer Holzherrenbuch 1544–1622 3,
– und Anklamer Copienbuch 16.-17. Jahrhundert 4,
in denen er genau auf die Übergänge vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen anhand der Quellen eingeht, hat er auch einige interessante Quellenstücke in niederdeutscher Sprache im Heimatkalender veröffentlich, die auch volkskundlich interessant sind und uns die alte plattdeutsche Sprache näher bringt.

Hinweis: Die meisten Aufsätze des Anklamer Heimatkalenders – vor 1945 in Fraktur – findet man auch online auf der Internetseite des Anklamer Museums im Steintor.

 

Die angesprochenen Arbeiten Bruiniers werden hier in moderne Schrift übertragen, bereitgestellt als pdf-Dateien unter der gemeinsamen Überschrift: Lingua Tanglimensis:

Die im Holzherrenbuch erwähnten Anklamer Stadtdörfer findet man auf der etwa zeitgleichen lubinschen Karte von 1618.

Lingua Tanglimensis

Beiträge zur historischen niederdeutschen Sprache in Anklam
Aufgrund von Arbeiten Johannes Weygardus Bruiniers
zusammengestellt von Klaus-Dieter Kreplin

Die niederdeutsche Sprache der Anklamer Ratskanzlei von 1400 bis um 1630 auf Grundlage der Anklamer Stadtbücher

Sprachbeispiele aus Anklamer Stadtbüchern

Frage an die plattdeutsch sprechenden Leser: Ist der spätmittelalterliche niederdeutsche Text direkt verständlich oder sollte man noch erklärende Anmerkung zu diesem Blog hinzufügen? An welchen Stellen treten die meisten Probleme auf?

Quellen:

  1. Bruiniers Beiträge zum Heimatkalender. 1940 S.35; dazu: Bruinier, Anklamer Namen im Ausgange des Mittelalters, in: Merker, Paul; Stammler, Wolfgang: Vom Werden des deutschen Geistes. Festgabe Gustav Ehrigmann 1925, S.159-167.
  2. Veröffentlicht: Das Stadtbuch von Anklam (1401-1474), nach der Handschrift bearbeitet von J.W. Bruinier, Köln [u.a.] : Böhlau, 1960-1965 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern : Reihe 4, Quellen zur pommerschen Geschichte). Teil 1 1960, Teil 2 1964, Teil 3 1965. Namensindex dazu von Gerhard Wöhner siehe hier
  3. Erscheinen angekündigt für Oktober 2022: ANKLAMER HOLZHERREN-BUCH (1544–1622) : Edition und Kommentar nach der Vorlage von Johannes Weygardus Bruinier . Kreplin, Klaus-Dieter (Herausgeber)
  4. Noch nicht im Druck erschienen; Original im Landesarchiv Greifswald, Digitalisat in der Bibliothek des Pommerschen Greif.

 

Ein Gedanke zu „Historisches Plattdeutsch in Vorpommern

  1. Was an mittelniederdeutschen Texten sofort auffällt, ist die konservativere Schreibung, was unbetonte Endungen angeht („ick hebbe“, „ick bekenne“ statt „ick heff“, „ick bekenn“ u.ä.), sowie die stärkere Beibehaltung von Kasusformen („in deme Holte“, „wegen des stridigen Holtes“).
    In beiden Punkten erinnert Mndt. stärker an die heutige hochdt. Standardsprache, die ja auch etwa zur selben Zeit zu gunsten dieser eher konservativen Merkmale standardisiert wurde, obwohl die meisten mittel- und oberdeutschen Mundarten die beiden genannten Merkmale gar nicht besitzen (vgl. dazu bspw. bei Wikipedia den kurzen Artikel zum „Lutherischen E“).

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