Sybilla Schwartz

“Was mir der Himmel hat an Schönheit nicht gegeben, das hat ersetzt Verstand und Tugend in meim’ Leben”

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Sibylla Schwarz aus: Sibyllen Schwarzin/ Vohn Greiffswald aus Pommern/ Deutsche Poëtische Gedichte Published: Gerlach, 1650

Sibylla Schwarz  (* 14. Februar 1621 in Greifswald; † 31. Juli 1638 ebenda) muss wohl ein außergewöhnliches “Persönchen gewesen, sein, sie schrieb mit 13 Jahren unter anderem Liebesgedichte, die manchen Erwachsenen neidisch werden lassen. Die Tochter des Greifswalder Bürgermeisters Christian Schwarz und der Regina Völschow (zur Familie)  wurde von einem Hauslehrer unterrichtet und lernte auch Latein und Niederländisch. Die Mutter starb,  als Sybilla neun Jahre alt war und Goedeke(1) schreibt:  dann musste sie den Haushalt versehen. Und trotzdem schrieb sie – wohl heimlich – Gedichte, die später hoch gelobt wurden. Wegen des 30jährigen Krieges musste die Familie Greifswald verlassen, lebte auf dem Landgut Fretow und dann in Stralsund. Sybilla starb im Alter von erst 17 Jahren an den Folgen eines Dysenterie (Durchfallerkrankung).

Ihr Bild findet sich auch auf dem Epitaph der Familie im Greifswalder Dom (Sibylla ist das Mädchen ohne Haube). Ihr Hauslehrer Samuel Gerlach sorgte später für eine Drucklegung ihrer Gedichte, die auf sehr viel Anerkennung stießen und ihren Ruhm als “pommersche Sappho” bis heute begründeten. Das bisher einzige handschriftliche Dokument der jungen Dichterin wurde auch erst kürzlich im Stammbuch ihres Hauslehrers entdeckt .(Pressemitteilung Univ. Greifswald)
Lesen Sie mehr über dieses faszinierende Mädchen und ihre literarische Bedeutung auf Kulturwerte-MV
Sibylla Schwartz

Sibylla Schwarz aus: Sibyllen Schwarzin/ Vohn Greiffswald aus Pommern/ Deutsche Poëtische Gedichte Published: Gerlach, 1650

aus: Ein Gesang wieder den Neidt

Hatt zwar die Mißgunst tausendt Zungen / Und mehr dan tausend ausgestreckt / Und kompt mit macht auf mich gedrungen / So werd ich dennoch nicht erschreckt; Wer Gott vertrawt in allen dingen / Wird Weldt / wird Neidt / wird Todt bezwingen.

Hör ich gleich umb und umb mich singen Die sehr vergifftete Siren; So soll mich dennoch nicht bezwingen Ihr lieblichs Gifft / und hell gethön; Ich will die Ohren mir verkleben / Und für sie frey fürüber schweben.

 

 

Von den Originalbänden ihrer Dichtungen gibt es weltweit nur noch wenige Exemplare, darunter in der  Herzog-August-Bibliothek  in Wolfenbüttel , diese sind jetzt digitalisiert worden und somit online zur Verfügung gestellt worden:
Sibylle Schwarzin Deutsche poetische Gedichte

Als Transkription: Gedichte online

Gelehrtes pommersches Frauenzimmer

Gelehrtes pommersches Frauenzimmer

Oelrichs über das “Gelehrte pommersche Frauenzimmer

(Oelrichs, Johann Karl Konrad: Historich-Diplomatische Beyträge zur litterarischen Geschichte, fürnehmlich des Herzogthums Pommern. Nebst einer umständlichen Historich-Diplomatischen Untersuchung des Herzogs von Pommern Swantibor III…,Berlin 1790)

Greifswald Baderstraße 2

Greifswald Baderstraße 2 Foto:Moritz Cordes via commons.wikimedia.org Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported 

 Leider gibt es jetzt in Greifswald Dispute um das Geburtshaus, das sich in Privatbesitz befindet und seit Jahren immer weiter verfällt. Es steht zwar unter Denkmalschutz,  doch Bauanträge zur Sanierung sind bisher nicht erfolgt. Damit ist es eines der wenigen nicht sanierten Häuser in diesem Bereich. Es wäre doch eine Schande, wenn ein Wohnspeicherhaus so viele Jahrhunderte und Kriege überstanden hat und nun verkommt. Eine Verwendung im Gedenken an Sybilla Schwarz wäre ein würdevolles Andenken. (Artikel in der NWZ zum Haus vom 14.05.2013)

M.Ott

(1)Goedeke, Karl: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Vom dreissigjährigen bis zum siebenjährigen Krieg, Bd.III, Dresden 1887, S. 318 via http://pomlit.wordpress.com/2013/04/10/sibylla-schwarzin/