Zwillingsgeburten in meiner Familie

Während meiner Forschung habe ich schon so einige Zwillingsgeburten gefunden. Etwa die Hälfte dieser Zwillingskinder überlebten zwar die ersten kritischen Lebenstage oder -wochen, viele erhielten aber vorsorglich die Nottaufe.

Meine Rüganer Vorfahren Henning Philipp Pertiet und Elisabeth Regina Nagel waren bereits Eltern von sechs Kindern gewesen, als Elisabeth im Jahr 1833 Zwillinge zur Welt brachte. Die Kinder wurden im Abstand von 48 Stunden geboren. Am Tag der Geburt des zweiten Kindes erhielten sie die Nottaufe. Beide Kinder waren sehr schwach, verstarben wenige Tage darauf und wurden gemeinsam in einem Sarg bestattet.

Glücklicherweise erholte sich die Mutter von der anstrengenden Geburt und bekam in den folgenden Jahren noch vier weitere Kinder.

Viele Mütter überlebten eine solche schwierige Zwillingsgeburt nicht.

So war es auch bei der ersten Frau meines Großvaters Ewald Giese. Die Erstgebärende Elfriede Vollert brachte 1930 zuhause in ihrer Wohnung in Stralsund Zwillinge zur Welt, die beide bereits zwei Tage nach der Geburt verstarben. Elfriede erholte sich nicht von der Geburt und verstarb knapp einen Monat später.

Louise Bourgeois’s “Hebammen Buch,..”, gedruckt 1628, digitalisiert durch Wellcome Library, London, Lizenz CC BY 4.0

Dass eine Wöchnerin unter solch dramatischen Umständen starb, wie die arme Frau in dem folgenden Fall, war aber offenbar doch sehr selten. Der Pfarrer berichtete sgoar an drei verschiedenen Stellen im Kirchenbuch davon!

Michael Hoefner, der Enkel meines 7xUrgroßvaters Jacob Hoefner, war seit 1801 mit Christine Schmenkel verheiratet, die 5mal in Wochen gelegen, jedesmal unter erschwerten Umständen ihre Kinder geboren hat.

Dieses fünfte Mal war besonders tragisch!

Am 2. Januar 1816 mittags um 11 Uhr wurde sie in Frauendorf bei Stettin unter dramatischen Umständen von einer gesunden Tochter entbunden. Das Mädchen wurde drei Tage später – nach ihrer Mutter – Christine getauft.

Doch im Leib der Mutter befand sich noch ein zweites Kind. Es gab keine Anzeichen dafür, dass das Kind lebte. Die Hebamme bemühte sich vergebens, das Kind aus dem Mutterleib zu bekommen. Schließlich musste aber der Stadtarzt Droß geholt werden.

26 Stunden nach der ersten Geburt musste der Mutter mit Gewalt durch chirurgische Hilfe ein totes Söhnlein entnommen werden.

Diese Totgeburt ist der erste Eintrag im Kirchenbuch des Jahres 1816.

Sieben Tage quälte sich die Mutter im Wochenbett. Sie hatte hohes Fieber, verursacht durch diesen scheußlichen Eingriff. Ich mache mir nichts vor, eine richtige Betäubung wird es bei diesem chirurgischen Eingriff kaum gegeben haben. Deshalb ist es für mich nicht verwunderlich, dass sie schließlich am 9. Januar entkräftet an den Folgen dieser dramatischen Geburt gestorben ist.

Nur zwei Töchter haben sie überlebt – eben jene Christine und die älteste Tochter Ephrosine, die übrigens ebenfalls kurz nach ihrer Geburt die Nottaufe erhalten hatte.

Michael Hoefner, der Ehemann von Christine Schmenkel litt seit Jahren an Epilepsie und erholte sich mental nicht von diesen Ereignissen. Er fand Hilfe bei seinem Schwager Jochen Schmenkel und gab ihm aus Dankbarkeit im November 1817 seine Tochter Ephrosine zur Frau. Sie war zu der Zeit noch nicht einmal 17 Jahre alt. Und ja, es handelte sich hiermit um eine Verwandtenehe, die junge Ephrosine heiratete ihren Onkel.